07/05/2026
Remigration schadet vor allem ("Bio"-)Deutschen.
Das wird jetzt bisschen länger, ist uns aber wichtig:
Wenn jemand von „Remigration“ spricht, hört man meist auch eine Fantasie von einem sauber aufgeräumten Hochglanz-Deutschland mitschwingen. Weniger Chaos, mehr Ordnung, alle geschniegelt beim Abendbrot und irgendwo läuft leise Blasmusik im Hintergrund.
Das ist allerdings nicht ganz, was die Folge von Remigration wäre. Die Realität wäre eher: Deutschland schießt sich beide Knie weg und wundert sich danach, warum es nicht mehr läuft (pun intended).
Denn das Lustigste an dieser ganzen Fantasie ist ja: Die Leute, die man loswerden will, können im Zweifel tatsächlich gehen.
Viele junge, gut ausgebildete Menschen mit Migrationsgeschichte sprechen mehrere Sprachen, haben internationale Kontakte, Abschlüsse, Fähigkeiten. Die finden in Kanada, Spanien, den Niederlanden oder sonst wo vermutlich schneller einen Job, als Dieter aus Castrop-Rauxel seinen Blutdrucksenker. Und selbst der alternde Dönerbudenbesitzer hat vermutlich genug unternehmerisches Geschick, seinen Laden in einem anderen Land neu zu eröffnen.
Der „Biodeutsche“ dagegen bleibt zurück. (Übrigens wurden „Biodeutsche“ vor ein paar Jahrzehnten als "Arier" bezeichnet – das nur nebenbei.)
Der sitzt dann in dem Land, das man vorher aus ideologischer Besoffenheit wirtschaftlich und gesellschaftlich vollständig massakriert hat:
• Drei Monate warten auf einen Arzttermin, weil mehr als die Hälfte des Krankenhauspersonals weg ist. Also, im Notfall. Sonst eher gar kein Termin.
• Pflege für Oma? Selbst ist der (deutsche) Mann. (Wobei der es vermutlich seiner Frau aufdrückt – wenn er denn eine hat.)
• Handwerkertermin erst im Frühjahr. 2041.
• Bus fällt aus, Kita geschlossen, Restaurants dicht, Läden leer, weil Lieferketten kaputt. Straßen und Gebäude, ja ganze Städte verfallen zusehends.
• Industrie und Kapital wandern ab, für internationale Firmen wird Deutschland ähnlich attraktiv wie Südsudan.
Aber immerhin hat man endlich die Kassiererin mit syrischem Nachnamen vergrault. Geil.
Diese Vorstellung, man könne Millionen Menschen aus einer modernen Gesellschaft herausreißen und danach würde alles irgendwie „deutscher“ und besser funktionieren, ist so absurd, als würde man mitten im Flug die Triebwerke ausbauen, weil das Flugzeug zu schwer ist.
Selbst wer überhaupt nichts mit Migration zu tun hat, würde die Folgen voll abbekommen.
• Preise steigen, viele Waren und Leistungen wären gar nicht mehr verfügbar.
• Sozialkassen kollabieren.
• Die Wirtschaft schrumpft massiv.
• Die Rentenprobleme explodieren.
• Leistungen müssten erheblich gekürzt werden, trotz heftig steigender Steuern.
• Viele Selbstverständlichkeiten würden nicht mehr funktionieren bzw. wären nicht mehr da.
Denn Überraschung: Menschen, die arbeiten, Unternehmen gründen und Beiträge zahlen, sind tatsächlich ganz praktisch für ein Land. Und nein, bei Remigration geht es explizit auch um diese und nicht nur "kriminelle".
Um die Vorgänge zur Remigration zu legalisieren, müsste nicht nur so n bisschen am Grundgesetz geschraubt werden, sondern sogar an die "Ewigkeitsparagrafen" ran – und damit an die Verfasstheit des Staats selbst. Soweit sind weder Trump noch Putin bisher gegangen. Dagegen gäbe es ebenso breiten wie massiven gesellschaftlichen Widerstand – bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und blutig niedergeschlagenen Unruhen. (Zugegeben, solche Zitat "wohltemperierte Grausamkeit" gegen "Volksteile, die zu schwach oder nicht willens sind", sind der feuchte Traum von Faschist und AfD-Landesvorsitzenden Thüringen Björn Höcke, wie er in seinem Buch schreibt.) Es wäre nicht mal ausgeschlossen, dass sich das Ausland, etwa die Nato entscheidet, einzugreifen.
Apropos Ausland. Von außen würde Deutschland aussehen wie ein Land, das komplett den Verstand verloren hat. Investoren, Fachkräfte, Ansehen, politischer Einfluss – alles weg. Und ja, wegen unserer Geschichte schaut die Welt bei Deutschland nochmal ein kleines bisschen genauer hin, wenn irgendwer anfängt, Menschen nach Abstammung zu sortieren.
Aus der EU sollten wir dann tatsächlich lieber austreten – wir könnten uns sonst vor Vertragsverletzungsverfahren und zugehörigen Strafzahlungen, Sanktionen und schweren Spannungen mit Partnerstaaten kaum retten (ok, letzteres auch mit Austritt). Und da wir nicht die USA sind und weder das Waffenarsenal noch eine attraktive Währung wie den Dollar haben (käme in diesem Zustand die D-Mark wieder, wär fraglich ob sie international überhaupt akzeptiert würde, gefragt oder stabil wär sie aber keinesfalls), würde uns das weiter wirtschaftlich massiv ruinieren und international isolieren. Für ein Exportweltmeister-Land eine besonders gute Idee!
Das ist das Tragikomische an Nationalismus im Endstadium: Er verkauft sich als Rettung des Landes – und ist das genaue Gegenteil.
Am Ende sitzen dann diejenigen, die „endlich wieder Ordnung“ wollten, in einem aufgewiegelten, wirtschaftlich zerstörten Land mit kaputter Infrastruktur und chronischem Personalmangel — und merken langsam: „Moment mal … der Ausländer ist gar nicht untergegangen. Der lebt jetzt einfach entspannt in Amsterdam. ICH bin derjenige, der jetzt drei Jahre auf einen Klempner wartet.“
Wir wären übrigens auch weg. Persönlich und auch das Projekt. Obwohl unsere Familiengeschichten kaum international sind. So vorsorglich, weil wir wohl zu den "Volksteilen" gehören, die "nicht willens" sind. Wir haben aber bereits von Beginn an ins Konzept des E-Mail-Providers diese Möglichkeit integriert und dafür gesorgt, dass auch dann noch unsere Nutzer*innen an ihre E-Mails kommen. Jedenfalls wenn Deutschland dann noch Internet hat...
Fazit: Remigration ist auch abseits von Rassismus und Unmenschlichkeit einfach eine saudumme Idee – und jemand der sich das wünscht bzw. fordert, vor allem ein merkbefreiter Volldepp (und ein Faschist).
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