14/06/2026
WENN NIEMAND GENAU HINSCHAUT
Nach unserem Menorca-Urlaub sind mein Mann und ich direkt nach Wuppertal gefahren, um die Wohnung meines Vaters weiter auszuräumen.
Dabei habe ich alle Leinwände abgehängt.
Fast 20 Bilder.
Siebenmal derselbe Hohenstein.
Mehrfach dieselbe Skyline von Wuppertal.
Immer wieder dieselben Motive.
Nur ein anderer Ausschnitt, eine andere Jahreszeit oder ein anderes Licht.
Das war mir schon vor Jahren aufgefallen.
Und immer hatte mein Vater eine Erklärung:
„Da war das Licht anders.“
„Das war im Herbst.“
„Du weißt doch selbst als Fotografin, wie das ist.“
Dann erinnerte ich ihn an einen Satz, den ausgerechnet er mir selbst beigebracht hatte:
„Kill your Darling.“
Ein alter Fotografenspruch.
Er bedeutet:
Wenn man zwanzig Fotos von demselben Motiv macht, sucht man sich die zwei oder drei schönsten aus und trennt sich von den anderen.
Loslassen gehört auch zur Fotografie.
Aber genau das konnte mein Vater irgendwann nicht mehr.
Und wenn ich ihn daran erinnerte, wurde er manchmal richtig ungehalten.
Heute frage ich mich, ob er damals selbst schon gespürt hat, dass etwas nicht mehr stimmte.
Denn die Veränderungen waren schon lange da.
Wir haben sie gesehen.
Aber wir haben sie nicht verstanden.
Selbst der Fotoladen bemerkte irgendwann, dass mein Vater immer wieder dieselben Motive drucken ließ.
Aber nach außen wirkte er noch so normal.
Und genau das macht Demenz manchmal so tückisch.
Menschen können lange erstaunlich normal wirken.
Und trotzdem verändert sich im Hintergrund bereits etwas.
Vielleicht geht es deshalb nicht nur darum, hinzuschauen.
Sondern darum, GENAU hinzuschauen.
❓Gab es bei deinem Angehörigen im Rückblick Dinge, die dir damals seltsam vorkamen, die du aber erst viel später verstanden hast❓
Ich lese mit.
Und wenn du nicht öffentlich schreiben möchtest, schreib mir gerne eine persönliche Nachricht. ❤️