04/07/2022
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„Jetzt stell dich mal nicht so an!“, „Als Eltern muss man die Zähne zusammenbeißen.“ „DU hast doch Kinder gewollt!“ - Eltern wird viel abverlangt, besonders Müttern. Und wenn wir es nicht schaffen, wenn wir Schwäche zeigen, dann wird das oft als persönliche Unfähigkeit ausgelegt: Du hast dich nicht genug angestrengt, du hast nicht den richtigen Willen, du bist einfach ungeeignet offenbar.
Was wir aber jeweils tragen können, ist höchst individuell. Was ich tragen kann, kann leichter oder schwerer sein als das, was du tragen kannst. Es richtet sich nach unserem Temperament, nach unserer Geschichte, nach unseren Erfahrungen - und selbst das Stresserleben unserer Eltern kann sich drauf auswirken, wie wir heute mit Belastungen umgehen.
Dazu kommt aber auch, dass die Belastungen einfach zu hoch sind, dass gerade in den letzten Jahren Familien, Eltern und besonders Mütter unverhältnismäßig stark belastet wurden.
Aber Kraft ist keine Verhandlungsmasse, schrieben schon meine Freundin Anja von Von guten Eltern und ich in unserem Buch „Mein Schreibaby verstehen und begleiten“. Wir können nur begrenzt für kurze Zeit mehr leisten als sonst. Nicht dauerhaft und man kann die eigenen Belastungsgrenzen kaum insgesamt anheben - das gilt für viel weinende Babys wie auch für alle anderen Situationen von Menschen und Familien.
Lasst euch nicht einreden, Kraft sei verhandelbar und ihr wäret nur zu schwach. Achtet auf eure Grenzen: Es ist in Ordnung, sie zu spüren, sie zu benennen und zu verteidigen. Nein, wir nicht nur dann gut, wenn wir nie nein sagen und immer über unsere Grenzen gehen, „über uns hinauswachsen“, weil wir das oft von kleinauf so lernen mussten: Immer alles geben, eher auf die anderen hören als auf unsere eigenen Signale, für andere da sein, damit wir einen Wert haben. Du bist wertvoll mit deinen ganz persönlichen Grenzen.