24/11/2025
Manche Stimmen meinen, man solle die Finger von Trainern lassen, die Sinneswahrnehmung, Aufmerksamkeit und Symptomtraining kombinieren.🧐.
👉 Das ist nicht richtig – und die Forschung zeigt klar, warum.
🔬 Fachlicher Hintergrund
Neuroplastizität bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung und Training strukturell und funktionell zu verändern. Sie ist die Grundlage dafür, dass Lernprozesse überhaupt möglich sind.
Bei Legasthenie bestehen überwiegende Defizite in der auditiven und visuellen Verarbeitung. Studien zeigen, dass gezieltes Training dieser Wahrnehmungen die neuronalen Netzwerke im Sprach- und Lesebereich reorganisieren kann (Tallal et al., Science, 1996; Gaab et al., PNAS, 2007).
Bei Dyskalkulie bestehen überwiegend Schwächen im räumlich-numerischen Sinn. Übungen zur Mengenwahrnehmung und Raumorientierung unterstützen den Aufbau mathematischer Kompetenzen (Butterworth, Trends in Cognitive Sciences, 2005; Wilson et al., Developmental Neuropsychology, 2006).
👉 Im posterioren Bereich des Parietallappens findet sich zudem ein kleiner Rindenbereich, der überwiegend für die Fähigkeit zu rechnen und mit Zahlen umzugehen verantwortlich ist. Genau hier setzt das Training an: Es fördert die Neuroplastizität in diesem Areal und stärkt die Netzwerke, die für mathematisches Denken entscheidend sind.
Aufmerksamkeitstraining stärkt die präfrontalen Netzwerke, die für Fokussierung und Arbeitsgedächtnis verantwortlich sind. Dadurch können Kinder Reize besser filtern und Lerninhalte stabiler abspeichern (Stein & Walsh, Trends in Neurosciences, 1997).
Multisensorisches Lernen (Sehen, Hören, Bewegung) erhöht die synaptische Plastizität und führt zu stabileren neuronalen Verbindungen (Shams & Seitz, Trends in Cognitive Sciences, 2008).
🌟 Warum das wirkt
Sinneswahrnehmungs- und Aufmerksamkeitstraining greifen direkt auf die neurobiologischen Grundlagen des Lernens zu.
Sie schaffen neue neuronale Verbindungen und verstärken bestehende Netzwerke.
Dadurch werden Lesen, Schreiben und Rechnen nicht nur geübt, sondern auf einer stabileren Basis verankert.
Symptomtraining allein reicht nicht – erst die Kombination mit Wahrnehmung und Aufmerksamkeit aktiviert die volle Lernfähigkeit des Gehirns.
✨ Fazit für Eltern:
Sinneswahrnehmung und Aufmerksamkeit sind die verborgene Grundlage des Lernens, weil sie die Neuroplastizität des Gehirns nutzen. Nur wenn diese Basis gestärkt wird, kann Symptomtraining seine volle Wirkung entfalten. So entstehen nachhaltige Fortschritte – und Kinder wie Erwachsene gewinnen neue Chancen für ihre Zukunft.
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