30/10/2025
So oder so ähnlich werden in Österreich bekanntlich Probleme gelöst. 😊
Oder besser gesagt: Unterhaltungen, Besprechungen oder Diskussionen enden sehr oft mit den Worten "Was willst machen?", wenn man keine Lösung "À-la-carte" anbieten kann.
In letzter Zeit spreche ich mit Kunden immer öfter über die gestiegenen Energie- und Netzkosten sowie die Vergütungen bei PV Einspeisung und höre dann sehr oft, dass früher sowieso alles besser war.
Eine Meinung, die ich zum Teil auch vertrete. Früher gab es nämlich noch das gute alte "Brickerl" (Eis schlabbern um sagenhafte 3 Schilling - das war die Währung früher, als noch alles besser war... 😉).
Aber Spaß beiseite; Es geht also um Energiekosten, wohlgemerkt um jene massiv gestiegenen Energiekosten, die viele von uns seit geraumer Zeit zum Nachdenken bewegen, tiefer in die Tasche greifen lassen und die sogar langjährig bestehende Traditionsunternehmen in die Insolvenz treiben.
Etwa drei Jahre ist es her, dass ich von Branchenkollegen, teilweise von Lieferanten und sogar Kunden belächelt, oder zumindest schief angeschaut wurde, weil ich den Standpunkt vertreten habe, dass es keinen Sinn macht, Photovoltaikanlagen wesentlich größer als nötig zu bauen.
Mit "wesentlich größer" meine ich, dass wir zu jener Zeit sehr genaue Berechnungen im Sinne unserer Kunden angestellt haben und die geplanten PV-Anlagen um circa 10 bis 15 Prozent überdimensioniert haben, Kunden aber teilweise doppelt so groß bauen wollten, was wiederum einer Vergrößerung von 100% entspricht.
Der angestrebte Sinn dahinter war es, möglichst viel Einspeisevergütung mit diesen übergroßen PV-Anlagen zu lukrieren.
Das hat tatsächlich 2 bis 3 Monate funktioniert, dann fielen die Einspeisevergütungen dorthin, wo sie heute sind: in den Keller.
Dieses Extrembeispiel ist zum Glück nicht die Regel, obgleich viele PV-Errichter natürlich lieber 40 anstatt 20 oder 25 PV-Module verkauft haben.
Ohne mutmaßen zu wollen - vermutlich aus Gründen der Umsatzsteigerung - who knows? 🤷
Fakt ist: viele der errichteten PV-Anlagen, die ich begutachtet und geprüft habe, wurden zum Errichtungszeitpunkt schlecht, oder gar nicht geplant - zumindest nicht hinsichtlich einer wirtschaftlich sinnvollen Dimensionierung.
Aber selbst bei einer gut geplanten und dimensionierten PV-Anlage, lassen sich zwei Dinge nicht vermeiden:
die Einspeisung von überschüssiger Energie zu einem ertragreichen Zeitpunkt zu einem Tarif, um den man nicht mal ein Brickerl bekommt und
der Zukauf von (durchaus teurer) Energie an jenen Tagen, an denen es die Sonne nicht so ganz freut. Letztendlich fehlt noch die Nacht, in der selbst die optimalste Photovoltaikanlage keinen Ertrag bringt.
Abhilfe schafft hier freilich ein Speicher, mit dem sich die tagsüber gewonnene Energie zumindest für die Nachtstunden speichern lässt.
Beispiel: Einfamilienhaus mit 4 Personen - 150m². Heizung und Warmwasser via Luftwärmepumpe. Ein Elektroauto im Haushalt. Eine 10kWp (Kilowatt-Peak) Photovoltaikanlage - mit Speicher und ohne Speicher. Ost-West Ausrichtung.
Stromverbrauch = 12000kWh p.a.
Ohne Speicher
Die Photovoltaikanlage liefert einen Jahresertrag von ca. 9.000 kWh. Die Eigenverbrauchsquote liegt – optimistisch betrachtet – bei 30 %.
Also können wir rund 3.000 kWh des PV-Ertrags selbst nutzen und vom Jahresverbrauch abziehen. Wir müssen also 9.000 kWh zu je 0,20 € (ohne Netzgebühren) zukaufen → 1.800 €.
Für den ins Netz eingespeisten Überschuss (ca. 6.000 kWh) erhalten wir aktuell rund 0,04 € = 240 €. 😒
Mit Speicher
Sieht die Sache schon etwas freundlicher aus; Die Eigenverbrauchsquote steigt auf ungefähr 70%, was bedeutet, dass wir nur noch 5700kWh zukaufen müssen. Hier liegt der Rechnungsbetrag für die zugekaufte Energie bei 1140,00 €.
Kann man das noch steigern?
Natürlich! "Energiemanagement" und "Spot-Tarif" heißen die beiden Zauberwörter.
Mit Energiemanagement ist gemeint, Energie in die richtige Richtung zu lenken, wenn sie:
vorhanden ist und gerade nirgendwo anders gebraucht wird.
Also zB. wenn der Speicher bereits zu 95% geladen wurde, wäre jetzt der Moment, in dem überschüssige Energie
(für 4 Cent / kWh !) eingespeist wird.
Da hat aber der Energieanbieter seine Rechnung ohne unser Energiemanagement gemacht, weil Energie, natürlich nach Prioritätenvorgabe und in Abhängigkeit des SoC (State of Charge - Ladezustand des Speichers) dorthin verschoben wird wo sie:
gebraucht wird;
Also zB. in die Brauchwasserwärmepumpe - in die Raumheizungswärmepumpe - in eine elektrische Fußbodenheizung oder Infrarotheizung - ins E-Auto - in die Klimaanlage - und im Sommer sogar in die Poolheizung 👌😉
Die Eigenverbrauchsquote steigt auf 95%. Das heißt, wir nutzen 8550 kWh selbst und müssen nur noch 3450 kWh zukaufen.
Kosten hierfür: € 690,00
Und was ist im Winter?
Meinen Kunden habe ich diese Frage immer folgendermaßen beantwortet: "Da ist es kalt!" 😉
Spaß beiseite:
Natürlich sinkt im Winter der Ertrag teilweise massiv.
Dem flachen Sonnenstand und der Schneedecke, die auf den Modulen liegt ist´s geschuldet!
Die PV-Anlage verliert aber auch im Winter nicht komplett ihre Daseinsberechtigung.
Einerseits findet Ertrag statt, wenn auch sehr eingeschränkt und andererseits können wir uns den angeschlossenen Speicher zu Nutze machen.
Ein Spot-Tarif - das ist ein Stromtarif der sich dynamisch an den aktuellen Börsenpreisen der Strombörse orientiert und sich stündlich, bei manchen Energieanbietern auch viertelstündlich, ändert - kann uns dazu verhelfen noch mehr zu sparen.
Unser intelligentes Energiemanagementsystem kennt nämlich schon die Strompreise von morgen und kann dementsprechend reagieren.
In einem Beispiel schwankt der Strompreis innerhalb eines Tages zwischen €0,005 und €0,14.
Wir laden den Speicher - an diesem Tag - zwischen 13:00 und 15:00 Uhr, da der Einkaufspreis hier am günstigsten ist.
Somit haben wir für die Abendstunden, in denen die Kilowattstunde vergleichsweise teuer ist, vorgesorgt!
Rechenbeispiel gefällig? Gerne!
Ich orientiere mich dabei an den oben genannten Zahlen, also am klassischen Einfamilienhaus mit Wärmepumpe. Die Einordnung in die günstigen Bezugsstunden mit 35% ist, langfristig betrachtet, als konservativ einzustufen, aber wir wollen ja auf Nummer Sicher gehen.
Den Speicherverlust - aufgrund von Umwandlungsverlusten - nehmen wir mit 10% an.
Fixpreis (monatlich angepasster Stromtarif)
Stromkosten: 3.450 × 0,20 = 690,00 €
Einspeisevergütung: 450 × 0,04 = 18,00 €
Saldo: 690,00 − 18,00 = 672,00 €
Dynamisch (stündlich angepasster Stromtarif)
Günstig (35 %): 0,35 × 3.450 = 1.207,5 kWh × 0,08 = 96,60 €
Normal (65 %): 0,65 × 3.450 = 2.242,5 kWh × 0,20 = 448,50 €
Stromkosten gesamt: 545,10 €
Einspeisevergütung: 18,00 €
Saldo: 545,10 − 18,00 = 527,10 €
Ergebnis
Ersparnis dynamisch vs. Fixpreis:
672,00 − 527,10 = ≈ 144,90 € pro Jahr
Zusammenfassung
Stromkosten p.a. = € 2400,00
Stromkosten p.a. mit PV = € 1560,00
Stromkosten p.a. mit PV und Speicher = € 900,00
Stromkosten p.a. mit PV/Speicher/Energiemanagement = € 672,00
Stromkosten p.a. mit PV/Speicher/Energiemanagement/Spot-Tarif Aufladung = € 527,10
Conclusio:
Wir haben unsere Stromkosten um 78% oder € 1872,90 reduziert!
Jetzt stellt sich nur noch die Frage;
Freuen wir uns mit dem Vorstandsvorsitzenden des großen Energiekonzerns über die Dividendenausschüttung nach der Verdoppelung der Gewinne, damit er/sie möglichst bald den neuen (X-ten) Sportwagen mit 750PS bestellen kann...
oder fahren wir mit der Familie lieber einmal mehr für ein paar Tage weg...
Schwierige Entscheidung 🤔
"Naja, früher war eben doch alles besser!"
"Genau! Wir können eh nix ändern!"
"Naja, was willst machen...?"
Ich geh mir jetzt auf jeden Fall ein Brickerl holen 🍦