02/06/2026
Wie wir heute Liebe, Nähe zulassen oder Grenzen setzen, hat eine Geschichte.
Bevor wir Beziehung verstehen, erleben wir sie.
Wir wachsen in eine Familie hinein und bekommen dort ein erstes Gefühl dafür, wie Menschen miteinander umgehen.
Wie Nähe gezeigt wird. Wie Konflikte gelöst oder vermieden werden. Wie viel Raum unsere Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen bekommen.
Das alles wird uns selten bewusst erklärt.
Kein Kind denkt am Frühstückstisch: „Interessant, hier entsteht gerade mein inneres Verständnis von Beziehung.“ Zum Glück. Das wäre auch ein bisschen viel neben dem Kakaobecher 😅☕️
Wir lernen durch Erleben. Durch Wiederholung. Durch das, was sich vertraut anfühlt.
Vielleicht haben wir früh gelernt, stark zu sein, uns anzupassen oder sehr aufmerksam auf andere zu achten.
Und irgendwann fühlt sich genau das normal an.
Dabei war vieles vielleicht einmal eine gute Lösung. Eine Möglichkeit, sich sicherer zu fühlen.
Ein Weg, im eigenen Umfeld zurechtzukommen.
Es geht hier sicher nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Oder alles auseinanderzunehmen und alte Geschichten größer zu machen.
Es geht darum, ehrlich zu erkennen, was wir früh über Beziehung gelernt haben, welche Muster daraus entstanden sind und wo wir heute neue Wege finden können.
Auch die Bindungsforschung beschreibt, dass frühe Beziehungserfahrungen unsere spätere Art, Nähe, Sicherheit und Verbindung zu erleben, mitprägen können.
Studien zur intergenerationalen Weitergabe von Bindungsmustern zeigen: Beziehung entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie hat Geschichte. Und genau deshalb kann sie sich auch verändern.
Denn was vertraut ist, ist nicht automatisch stimmig. Und was früh gelernt wurde, kann heute neu betrachtet werden.
Unsere Geschichte wirkt in uns weiter.
Aber wir können uns weiterentwickeln.
Alles mit Liebe
Janine 🌸
Quellenhinweis: van IJzendoorn, 1995; Verhage et al., 2016 zur intergenerationalen Weitergabe von Bindungsmustern.