03/06/2026
In der Begleitung von Mensch-Hund-Teams gibt es Momente, die mich beschäftigen. Nicht weil der Hund ein schwieriges Verhalten zeigt, sondern weil die Bezugsperson etwas sagt, was die Welt dieses Teams sehr klein werden lässt.
„Der testet mich.“
„Der stellt sich an.“
„Der respektiert mich nicht.“
„Der will einfach seinen Willen durchsetzen.“
Solche Sätze sind schnell gesagt. Manchmal mit Überzeugung, manchmal aus Erschöpfung, manchmal aus der Sorge heraus, die Situation nicht mehr aushalten zu können. Und doch bleibt es nicht bei einem Satz. Dieser Satz erhält Macht und Raum. Denn in dem Moment, in dem ein Verhalten ein Etikett bekommt, verändert sich auch der Blick auf den Hund.
Ein Hund, der nicht kommt, ist dann nicht mehr ein Hund, der gerade nicht kommen kann, weil ihn etwas anderes beschäftigt. Er wird zu einem Hund, der respektlos ist.
Ein Hund, der zögert, ist dann nicht mehr ein Hund, der noch etwas Zeit braucht. Er wird zu einem Hund, der sich anstellt.
Ein Hund, der an der Leine zieht, ist dann nicht mehr ein Hund, der gerade spannende Gerüche verfolgt. Sondern ein Hund, der seinen Menschen testet.
Ein Hund, der Nein sagt, ist dann nicht mehr ein Hund, der das, was wir von ihm wollen, nicht leisten kann. Sondern ein Hund, der stur ist.
Und aus diesen Erklärungen entsteht schnell ein ganzes Bild.
Dann geht es nicht mehr nur um die Frage, was der Hund gerade zeigt, sondern darum, was sein Verhalten über die Beziehung zu seinem Menschen aussagt.
Ob der Mensch ernst genommen wird. Ob er sich durchsetzen muss. Ob er klar genug ist. Ob er versagt, wenn er in diesem Moment nicht handelt. Ob andere sehen könnten, dass er seinen Hund nicht „im Griff“ hat.
Genau an dieser Stelle wird es schwierig.
Denn wie wir mit Hunden umgehen, erzählt immer auch etwas darüber, was wir über Beziehung gelernt haben. Niemand begleitet einen Hund ohne die eigene Geschichte. Was wir erlebt haben, prägt unseren Blick.
Das bedeutet nicht, dass der Hund in seinem Verhalten keine Rolle spielt. Natürlich zeigt er etwas. Er bellt, zieht, weicht aus, bleibt stehen, fordert ein, schützt sich, sucht Kontakt, entzieht sich, hält etwas nicht aus oder braucht in einer Situation Unterstützung.
ABER die Bedeutung, die wir diesem Verhalten geben, entsteht in uns. Und diese Bedeutung ist nicht zufällig.
Sie hat mit unseren Werten zu tun. Mit dem, was uns wichtig ist. Mit dem, was sich für uns bedrohlich anfühlt. Mit dem, was wir schützen möchten. Manchmal auch mit dem, was wir beweisen wollen, weil wir es selbst nie sicher genug gespürt haben.
So kann aus einer Deutung eine Rolle werden.
Eine, die wir wählen. Eine, die uns zugewiesen wird. Eine, die wir glauben erfüllen zu müssen:
Ich muss mich durchsetzen.
Ich muss alles richtig machen.
Ich muss kontrollieren.
Ich muss alles verstehen.
Ich muss klarer führen.
Ich muss mich mehr kümmern.
Doch genau das verhindert einen Raum, in dem unser Hund Hund sein darf. Einen Raum, der nicht menschlich interpretiert ist, sondern den Hund als seine Art mit seinen Bedürfnissen sieht.
Wem dient also unser Etikett?
Dem Hund?
Der Beziehung?
Dem eigenen Bedürfnis nach Sicherheit?
Dem Wunsch, nicht bewertet zu werden?
Dem Gefühl, wertvoll zu sein, wenn man es richtig macht?
Im Umgang mit einem Hund geht es nie nur um den Hund.
Es geht auch um uns. Um unser Bedürfnis nach Sicherheit. Nach Kontrolle. Nach Wert. Nach Zugehörigkeit. Nach dem Gefühl, es richtig zu machen.
Und manchmal ist genau das der Moment, in dem wir aus dem Hund etwas machen, was er gar nicht ist und auch nicht sein kann.
Denn seine Welt ist eine andere als unsere.
Wenn dir im Berufsalltag als Hundetrainerin immer wieder Sichtweisen begegnen, die dich innerlich beschäftigen, Sätze wie:
„Der testet mich.“
„Der ist stur.“
„Der respektiert mich nicht.“
„Da muss er durch.“
Dann habe ich da vielleicht etwas für dich:
Mein neues Webinar!
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Wenn Kundensichtweisen an Grenzen führen
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