31/08/2024
Es ist ein weit verbreitetes Problem, dass in spezialisierten Fachbereichen oft eine starke Fokussierung auf bestimmte Prioritäten und Sichtweisen besteht. Dadurch kann es schnell zu Missverständnissen oder sogar zu Vorwürfen der Inkompetenz kommen, wenn jemand aus einem anderen Fachbereich oder mit einer anderen Perspektive eine abweichende Meinung äußert. Dies ist nicht unbedingt ein Zeichen mangelnden Verständnisses, sondern oft eine Folge davon, dass unterschiedliche Disziplinen unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
In der Medizin zum Beispiel könnte ein Krankenhaus, ein Logopäde und eine Stillberaterin/Hebamme unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie mit oralen Restriktionen wie etwa Lippen- oder Zungenbändchen beim Neugeborenen umzugehen ist. Während das Krankenhaus möglicherweise den Fokus auf die allgemeine Gesundheit und Entwicklung des Kindes legt, könnte der Logopäde mehr auf die langfristigen Auswirkungen auf das Sprechen achten, und die Stillberterin/Hebamme könnte besonders auf die unmittelbaren Auswirkungen auf das Stillen schauen.
Das Problem liegt oft darin, dass jede Disziplin dazu neigt, ihre eigenen Prioritäten als die wichtigsten zu betrachten, was zu einer Vernachlässigung des „großen Ganzen“ führen kann. Es wäre ideal, wenn Fachleute aus verschiedenen Bereichen gemeinsam an einem Tisch sitzen und ihre Perspektiven und Bedenken offen austauschen würden, um eine ganzheitliche, für das Neugeborene optimale Lösung zu finden.
Leider passiert es in der Praxis jedoch oft, dass die unterschiedlichen Fachbereiche nicht ausreichend miteinander kommunizieren oder dass die Expertise des einen Bereichs vom anderen nicht ausreichend anerkannt wird. Das kann dann dazu führen, dass jemand, der eine andere Meinung hat, schnell als inkompetent abgestempelt wird.
Die Lösung könnte darin liegen, interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern und mehr Verständnis für die jeweiligen Fachperspektiven zu schaffen. Weiterbildungen und offene Kommunikationskanäle zwischen den Fachbereichen könnten helfen, dieses Problem zu mindern und zu einem besseren, gemeinsamen Verständnis beizutragen.