20/01/2023
Gestern habe ich die Nachricht von Jacinda Arderns Rücktritt nur gelesen, erst heute Morgen beim Kaffee sah ich das Video ihrer Pressekonferenz, das mich tief berührte.
Zu Recht gab es gestern in den sozialen Medien schon viel Anerkennung für ihren Schritt. "We give all as we can, for as long as we can, and then it’s time.“
Auch ich ziehe den Hut vor der Größe, von DER GANZEN WELT verklausuliert den Satz „Ich kann nicht mehr“ auszusprechen.
Ich sehe regelmäßig bei meinen Klient:innen, wie viel uns dieses Eingeständnis allein vor uns selbst kostet. Weil man das Gefühl hat, versagt zu haben und sich in diesem Versagen verstecken will. Statt zu sehen, wie viel man gegeben hat, zu viel.
Ich stand vor 7 Jahren an dem Punkt. Bei mir waren es nur gut 100 Kollegen, vor denen ich die Scham überwinden musste, um mich zu „outen“ mit meinem Burnout. Und es brauchte einige Zeit, bis ich das konnte, bis ich damit aufhörte, Ausreden für meine Abwesenheit zu finden.
Abgesehen von dieser Größe, die ich bewundere, möchte ich ganz bewusst die -Schlagzeile teilen, auf die ich heute morgen gestoßen bin: „Schneller als der Burnout“.
Denn rechtzeitig zu erkennen, dass man nicht mehr kann, zeigt nicht nur menschliche Größe und Reife. Es schützt uns vor dem Schlimmsten. Es gibt uns die Möglichkeit, uns RECHTZEITIG Hilfe zu holen oder RECHTZEITIG ein Amt, ein Projekt, eine Verantwortung abzugeben. Bevor wir ganz am Boden liegen und viel, viel länger brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen.
Immer wieder kommen Klient:innen zu spät zu mir. Wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch und der Arbeitsunfähigkeit stehen. Oft sagen sie dann, ich bin schon vor einem Jahr / vor ein paar Monaten auf ihr Angebot aufmerksam geworden, aber ich dachte, ich muss das alleine schaffen, ich muss stark sein.
Manchmal ist das Stärkste, was wir tun können , uns die eigene Schwäche einzugestehen, anzunehmen, dass gerade nicht mehr viel geht und dass wir Hilfe brauchen.