22/04/2022
Die Kulturfrauen
Diesen informativen Beitrag von unserem Forstamt Pfälzer Rheinauen wollen wir euch nicht vorenthalten:
Wer die Trümmerfrauen waren, sollte jeder wissen. Sie haben mitgeholfen die zerbombten deutschen Städte nach dem zweiten Weltkrieg wiederaufzubauen.
Enormes haben auch die Kulturfrauen geleistet. Sie haben den Wald in Deutschland nach den Wirren des Krieges neu gepflanzt. Kultur steht dabei für Forstkultur, also neu gepflanzten Wald.
Der Wald war nach dem zweiten Weltkrieg schwer gebeutelt. Als Wiedergutmachung der von Deutschland im Ausland verschuldeten Kriegsschäden nahmen die Alliierten sogenannte Reparationshiebe vor. So wurden 10 % der Waldfläche kahlgeschlagen und als Kriegsschuld dorthin transportiert.
Zudem mussten Deutschlands Städte und Dörfer neu aufgebaut werden. Dazu braucht man jede Menge Holz. Und man musste heizen und kochen. Die pro Haushalt zugewiesene Menge Kohle reichte vorn und hinten nicht. Der Wald mit seinem Holz musste dazu herhalten.
Der Wald hatte unter dieser Last gewaltig zu leiden. Es wurden in den Nachkriegsjahren 10 bis 15 Mal so viel aus dem Wald entnommen, wie gleichzeitig nachwachsen konnte. Aufgabe der Forstleute zu dieser Zeit war es auch, sich gegen die Bedürfnisse der Menschen schützend vor den Wald zu stellen. Dafür wurden Forstleute auch gehasst.
Und diese gerodeten Flächen mussten wieder aufgeforstet werden - eine gigantische Leistung.
Diese Leistung haben ganz überwiegend Frauen gestemmt.
Über Winter arbeiteten auf dem Land auch viele Männer im Wald, um Holz zu schlagen und um es an die Wege zu rücken- mit Pferd oder Schlepper. Gegen Ende des Winters wendeten sich viele Männer wieder der Landwirtschaft zu. Und der Waldaufbau war Frauensache und Handarbeit. Unter dem Vorwand, es sei ja eine viel leichtere Arbeit, natürlich zu wesentlich geringeren Löhnen. Man kennt das Spiel. Arbeitskraft war ein kostengünstiger Faktor zu dieser Zeit. Viele Familien waren froh um jede Mark.
Tatsächlich waren Bodenvorbereitung, Flächenräumung und Pflanzung ebenso schwere Arbeiten. Sie wurden von den Frauen klaglos und mit Liebe zur Sache des Waldes bewältigt. Riesige Flächen wurden wieder mit Bäumen gepflanzt. Aufgeforstet wurde das, was aus Sicht der damaligen Zeit richtig und notwendig war. Baumarten die schnell verwertbares Bau- und Nutzholz lieferten. Ganz überwiegend Fichten und Kiefern. Man kann das aus heutiger Sicht als ökologisch falsch bezeichnen, aus der Sicht der damaligen Not war es jedoch nachvollziehbar.
Jede und jeder von uns hat verarbeitete Gegenstände aus dem Holz, das seinerzeit die Kulturfrauen gepflanzt haben schon vielfach verwendet und benutzt. Die Wälder der Kulturfrauen lieferten und liefern das Holz für unsere Häuser, Dachstühle, unser Papier und Alltagsgegenstände.
Bis 2002 war die Leistung der Kulturfrauen in aller Hände - nämlich auf der Rückseite der 50 Pfennig Münze. Schade, dass diese Anerkennung nicht den Weg auf die deutschen Euromünzen fand. Die Frauen hätten es verdient!
Eine Verbeugung vor einer enormen Aufbauleistung dieser Frauen!
(Foto: Landesforsten.RLP.de / Jonathan Fieber)