06/03/2026
Insolvenzen von Firmen besonders in Deutschland kann mehrer Ursachen haben. Nicht immer hat man Einfluss drauf. Oft sind es politische Fehlentscheidungen, die Märkte wegbrechen lassen, Energiekosten in die Höhe treiben, Verwaltungsauflagen bis ins Uferlose, usw. Oft sind es aber auch die Betriebe selber die sich zu Tode verwalten.
Hier ein Beispiel:
Die große Zeitersparnis
In einem Betrieb – nennen wir ihn aus Gründen der Höflichkeit einfach einen Betrieb irgendwo in Deutschland – wurde ein beeindruckendes Effizienzprogramm eingeführt: die tägliche Shopfloor-Stehung.
Diese dauert nur 25 Minuten und wird selbstverständlich von einer speziell dafür vorgesehenen Führungskraft geleitet: dem Stehungsleiter.
Alle Mitarbeiter stehen also jeden Morgen zusammen, während der Stehungsleiter erklärt, wie wichtig es ist, Zeit zu sparen.
Und tatsächlich: Über Zeitersparnis wird dort jeden Tag sehr konsequent gesprochen.
Genau 25 Minuten lang.
Nun könnte ein untrainierter Geist auf die ketzerische Idee kommen, dass man die meiste Zeit sparen würde, wenn diese tägliche Veranstaltung einfach entfiele. Dann hätte jeder Mitarbeiter sofort 25 Minuten mehr Zeit pro Tag.
Doch so einfach darf man sich Effizienz natürlich nicht vorstellen. Schließlich braucht man Zeit, um über Zeitersparnis zu sprechen. Sonst würde das ganze System ja gar nicht funktionieren.
So stehen also jeden Morgen Menschen zusammen, während ein Stehungsleiter über Effizienz referiert und die Uhr zuverlässig weiterläuft. Eine organisatorische Meisterleistung – irgendwo zwischen Managementseminar, Ritual und Performancekunst.
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, das Ganze sei ein Kunstprojekt des großen Konzeptkünstlers Jaques Du Mett.
Titel der Installation:
„25 Minuten täglich – oder die industrielle Produktion von Zeitverlust unter dem Banner der Effizienz.“
Bleibt am Ende eigentlich nur noch eine kleine Frage:
Warum muss das Shopfloor-Stehung heißen?
Warum braucht man einen Stehungsleiter?
Warum kann man nicht einfach Deutsch reden und sagen:
Mitarbeiterbesprechung und Versammlungsleiter?
Dann würde man zwar immer noch 25 Minuten verlieren –
aber wenigstens nicht noch zusätzlich am gesunden Menschenverstand.
Es ist kein Scherz, der Ausdruck auf dem Bild hängt tatsächlich ganz aktuell in einer Firma in NRW. Dieser Mitarbeiter fängt demnächst bei uns an. Er hat noch gesunden Menschenverstand und kann so etwas nicht mehr ertragen.