18/11/2022
High-Low-Syndrom 👠👟
Bei vielen Pferden findet man bei der Erstbearbeitung unterschiedlich große und gewinkelte (überwiegend) Vorderhufe vor. Dies bezeichnet man als High-Low-Syndrom.
Das auf den ersten zwei Bildern dokumentierte Pferd hat mittlerweile wieder sehr identische Hufe. Natürlich gibt es auch hier weiteres Verbesserungspotential wie z.B. den noch nicht ganz verschwundenen Trachtenzwang am rechten Vorderhuf. Allerdings war dies für mich ein schöner Moment einmal die Bilder gegenüber zu stellen, da die Hufe dieses Pferdes beim letzten Bearbeitungstermin zum ersten Mal (auch vor der Bearbeitung) noch fast identisch zueinander waren. Für mich ist das in der Entwicklung von High-Low-Hufen immer die beste Bestätigung, dass das Pferd beginnt die Hufe wieder gleichmäßig einzusetzen 🥳
➡️ Hier noch einige Infos zum High-Low-Syndrom
✅Der High-Huf:
Dieser Huf ist der deutlich schmalere Huf. In den meisten Fällen sind die Winkelungen der Seiten-, Zehen- und Trachtenwände eher steil, das Sohlengewölbe ist gut ausgeprägt und auch die Trachten sind gerne lang. Insgesamt ist dieser Huf auf den ersten Blick oftmals der Schönere.
✅Der Low-Huf:
Dieser Huf ist ein klassische Tellerhuf. Er ist rundherum extrem breit und flach gewinkelt. Oftmals weist dieser Huf meiner Erfahrung nach auch einen starken Trachtenzwang teilweise mit untergeschobenen Trachten und wenig Sohlengewölbe auf.
➡️Die Ausprägung der Unterschiedlichkeit der Hufe ist von Fall zu Fall verschieden. Bei manchen Pferden kann man es eigentlich nicht übersehen, bei anderen sieht man es nur bei genauerem Hinschauen.
✅Wie entsteht diese Huf-Situation?
Hervorgerufen wird dieses Erscheinungsbild durch die Mehrbelastung des Low-Hufs. Aus verschiedenen Gründen wie beispielsweise einer extremen Schiefe oder Schmerzen an einer Gliedmaße steht das Pferd vermehrt auf einem Huf. Dieser wird flacher und breiter.
Der entlastete High-Huf wird immer schmaler und gleichzeitig auch unbequemer für das Pferd. Dies hat oftmals zur Folge, dass die Erstursache für die ungleichmäßige Belastung gar nicht mehr besteht, das Pferd aber weiterhin den Low-Huf bevorzugt benutzt.
✅Warum ist es wichtig diese Situation zu beheben?
Die unterschiedlichen Hufe fühlen sich in der Arbeit für das Pferd natürlich auch unterschiedlich an. Salopp gesagt trägt es einen High-Heel und einen Sportschuh. Hinzu kommt, dass es ungleich viel schwerer wird ein Pferd mit diesem High-Low-Syndrom gerade zu richten. Da das Pferd eine Seite bevorzugt belastet, wird die Muskulatur dieser Seite viel mehr beansprucht als die der Gegenseite.
➡️Hier wird wieder einmal deutlich, dass gesunde Hufe die Grundlage für die Arbeit mit dem Pferd bilden.
✅Bearbeitung
Ein High-Low-Syndrom ist generell gut zu behandeln, wenn die Ursache behoben wurde oder werden kann. Wie lange es dauert, bis sich so eine Situation wieder behoben hat, hängt von mehreren Faktoren ab. Offensichtliche Einflüsse sind (wie fast immer) Haltung, Fütterung und Training. Außerdem spielt die Ausprägung natürlich eine große Rolle. Zusätzlich sollten kurze Bearbeitungsintervalle gewählt werden.
Letztendlich muss vom Bearbeiter akribisch daran gearbeitet werden, dass sich die Hufe immer ähnlicher anfühlen und das Pferd merkt, dass auch der High-Huf wieder bequem ist und somit auch benutzt werden kann. Die genaue Vorgehensweise muss dann immer auf das individuelle Pferd abgestimmt werden.
🔜Ich werde in den nächsten Monaten weitere Fallbeispiele für das High-Low-Syndrom einstellen, in denen mehr Zwischenschritte gezeigt werden, sodass ihr einen guten Eindruck von meiner Vorgehensweise bekommt. Wen das interessiert, der sollte auf jeden Fall meine Seite liken, um nichts zu verpassen!