30/03/2026
Nuke Days Austria 2026
Die Feuerwehren Herzogbirbaum und Leoben Stadt veranstalteten am 27.03. bis 28.03.2026 die „Nuke Days Austria“ am ABC- und Katastrophenübungsplatz Tritolwerk in 2492 Eggendorf.
Diese zweitägige Spezialübung stand ganz im Zeichen des Strahlenschutzes sowie des Umgangs mit radiologischen Gefahrenlagen.
Ziel der Übung:
• Auffrischung und Vertiefung der Kenntnisse im Bereich Strahlenschutz
• Praktisches Training im Umgang mit radioaktiven Quellen
• Kennenlernen von Neuerungen in:
o Messtechnik und Messverfahren
o Dekontamination
o persönlicher Schutzausrüstung
• Sicherstellung eines strukturierten und sicheren Handelns im radiologischen Anlassfall.
Durch realitätsnahe Szenarien sollten die Teilnehmer optimal auf mögliche Einsatzlagen vorbereitet werden.
Teilnehmende Organisationen:
An der Übung nahmen rund 200 Einsatzkräfte aus verschiedenen Organisationen teil, darunter:
• Freiwillige Feuerwehren aus allen Bundesländern Österreichs
• Berufsfeuerwehren aus Klagenfurt, Wien und Graz
• Betriebsfeuerwehren der Krankenhäuser Klagenfurt und Graz
• Vertreter der Länder Kärnten und Oberösterreich
• Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)
• Bundesheer
• Rotes Kreuz
Zusätzlich nahmen internationale Ausbildungseinrichtungen teil:
• Staatliche Feuerwehrschule Schleswig-Holstein
• Staatliche Feuerwehrschule Geretsried
Übungsinhalte und Ablauf:
Während der zwei Übungstage wurden mehrere praxisnahe Szenarien durchlaufen, die unterschiedliche Aspekte eines radiologischen Einsatzes abbildeten.
Die Schwerpunkte lagen auf:
• Erkundung und Lagefeststellung bei radiologischen Ereignissen
• Einsatz von Messgeräten zur Strahlenbestimmung
• Absicherung von Gefahrenbereichen
• Durchführung von Dekontaminationsmaßnahmen
• Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Organisationen und Behörden.
Besonderes Augenmerk wurde auf die korrekte Anwendung der persönlichen Schutzausrüstung sowie auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften gelegt.
Erkenntnisse und Ergebnisse:
Die Übung zeigte deutlich die Wichtigkeit regelmäßiger Schulungen im Bereich des Strahlenschutzes.
Wesentliche Erkenntnisse:
• Die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen funktionierte sehr gut
• Neue Messtechniken konnten erfolgreich getestet werden
• Der Umgang mit radiologischen Gefahren wurde praxisnah trainiert
• Verbesserungspotenziale wurden erkannt und dokumentiert.
Übungsszenarien:
Im Rahmen der „Nuke Days Austria 2026“ wurden mehrere realitätsnahe Szenarien aufgebaut, um unterschiedliche Einsatzlagen im Bereich Strahlenschutz praxisnah darzustellen und zu beüben.
Szenario 1: „Road to nowhere“
Dieses Szenario stellte einen Transportunfall mit Fahrzeugen der ADR-Klasse 7 dar, bei dem mehrere Fahrzeuge sowie radioaktive Quellen betroffen waren. Ziel der eingesetzten Kräfte war es, sämtliche Strahlenquellen im Schadensbereich aufzufinden und
entsprechend zu markieren.
Die Quellen waren sowohl in als auch rund um die Unfallfahrzeuge verteilt, teilweise bewusst versteckt (z. B. hinter Reifen), um die Sucharbeit zu erschweren.
Zusätzlich wurden Transportpapiere und Abschirmbehälter im Einsatzbereich platziert, um eine realistische Lageerkundung zu ermöglichen.
Der Schwerpunkt lag auf der systematischen Suche, richtigen Bewertung der Lage sowie dem sicheren Umgang mit unbekannten Quellen.
Szenario 2: „Hide and Seek“
In diesem Szenario wurde ein Satellitenabsturz simuliert, bei dem radioaktives Material in einem bebauten Gebiet verstreut wurde.
Die Aufgabe der Einsatzkräfte bestand darin, entlang vorgegebener Bewegungsachsen sowie an definierten Punkten radioaktive Quellen aufzuspüren.
Besonderes Augenmerk lag auf der flächigen Erkundung, dem taktischen Vorgehen im urbanen Raum sowie dem effizienten Einsatz von Messgeräten zur Lokalisierung von Strahlenquellen.
Szenario 3: „Cobalt Gun“
Dieses Szenario basierte auf einem realen Ereignis in Thailand im Jahr 2000, bei dem es zur unsachgemäßen Zerlegung einer Kobaltquelle kam.
Die Übungsteilnehmer hatten die Aufgabe, kontaminierte Bereiche zu erkennen, zu markieren und gleichzeitig die eingesetzten Kräfte zu überwachen.
Neben der Detektion stand hier insbesondere die Kontrolle der Eigen- und
Fremdgefährdung im Vordergrund sowie das Verständnis für die Auswirkungen hoher Strahlenexposition.
Szenario 4: „Out of the Dark“
Hier wurde ein Strahlenschutzeinsatz nach einem Erdbeben dargestellt, bei dem ein Spürtrupp in einem unterirdischen Tunnelsystem eingeschlossen wurde. Die Aufgabe bestand darin, einen sicheren Fluchtweg zu finden und diesen unter Berücksichtigung des ALARA-Prinzips (As Low As Reasonably Achievable) zu bewerten.
Dieses Szenario forderte insbesondere die Entscheidungsfähigkeit unter Stress sowie die Abwägung zwischen Zeit, Abstand und Abschirmung.
Szenario 5: „CSI – Out of the Box“
In diesem Szenario wurde eine kriminaltechnische Lage simuliert, bei der in einem Gebäude eine Leiche aufgefunden wurde und der Verdacht auf den Einsatz radioaktiver Stoffe bestand.
Die eingesetzten Kräfte mussten mögliche Kontaminationen feststellen, markieren und gleichzeitig den Hergang rekonstruieren.
Die Übung kombinierte Aspekte der Gefahrenabwehr mit kriminalistischen Fragestellungen und erforderte ein besonders strukturiertes Vorgehen.
Szenario 6: „Inferno“
Dieses Szenario stellte einen Brandeinsatz dar, bei dem nach den Löscharbeiten ein Rauchmelder mit radioaktivem Warnsymbol entdeckt wurde.
Ziel war es, festzustellen, ob eine Kontamination vorliegt, sowie den Eigenschutz der eingesetzten Kräfte sicherzustellen und betroffene Personen und Geräte freizumessen.
Ein zusätzlicher Schwerpunkt lag auf der möglichen Kontaminationsverschleppung durch eingesetzte Atemschutztrupps und deren Auswirkungen auf Fahrzeuge und Infrastruktur.
Zusammenfassung der Szenarien:
Die dargestellten Übungsszenarien deckten ein breites Spektrum möglicher radiologischer Einsatzlagen ab – von Transportunfällen über großflächige Kontamination bis hin zu kriminaltechnischen und taktischen Speziallagen.
Dadurch konnten die Teilnehmer ihre Fähigkeiten in den Bereichen:
• Erkundung
• Messtechnik
• Dekontamination
• taktische Entscheidungsfindung
unter realistischen Bedingungen vertiefen und festigen.
Die „Nuke Days Austria 2026“ stellten eine äußerst wertvolle Ausbildungsmaßnahme dar.
Durch die Kombination aus Theorie und praxisnahen Übungen konnten die Teilnehmer ihre Fähigkeiten im Umgang mit radiologischen Gefahren deutlich verbessern.
Die Übung leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung und zur
Einsatzbereitschaft der beteiligten Organisationen im Ernstfall.
Text: Peter Gamsjäger
Fotos: Tatjana Gilly