28/08/2026
Er scheint ein bisschen unscheinbar und trotzdem kennen den Mäusebussard fast alle.
Hast Du gewusst, dass sie ihrem Partner treu bleiben, wenn es geht, ein Leben lang? ❤️
Du hast diesen Ruf schon gehört.
Ein langes, abfallendes, klagendes "hiääh" am Himmel, weit tragend, unmöglich zu überhören. Die meisten denken, es ist ein Jagdschrei. Ist es nicht.
Der Mäusebussard ruft, um sein Revier zu markieren und seinen Partner über Entfernungen von einem Kilometer zu erreichen. Er wiederholt den Ruf von denselben Bäumen und denselben Flugrouten, jeden Morgen, weil sich sein Revier über Jahre kaum verändert. Was für uns zufällig klingt, ist eine Landkarte in seinem Kopf: Felder zum Jagen, Thermik zum Kreisen, Waldränder zum Brüten.
Mäusebussarde leben oft in Dauerehen. Dasselbe Revier. Derselbe Horst. Derselbe Partner, manchmal über fünfzehn oder zwanzig Jahre.
Sie ruft seit dem Sommer. Er kommt nicht zurück.
Er saß im März auf einem Leitpfosten an der Bundesstraße, wie er es jeden Morgen tat, und wartete auf Feldmäuse im Grünstreifen. Ein Lastwagen hat ihn erfasst. Straßenverkehr ist eine der häufigsten Todesursachen für Mäusebussarde in Deutschland.
Jetzt im September kreist sie allein. Sie fliegt dieselben Routen, die sie gemeinsam geflogen sind. Sie ruft von denselben Bäumen. Die Jungen aus diesem Frühling sind ausgeflogen und suchen eigene Reviere. Sie hat die Brut allein großgezogen.
Manche Ornithologen sagen, das ist kein Suchen. Es ist Erinnerung. Ein Greifvogel mit einer Landkarte im Kopf, in der jeder Punkt mit einem Partner verknüpft ist, der dort saß.
Deutschlands häufigster Greifvogel. Rund hunderttausend Brutpaare. Der Vogel, den du an jeder Autobahnausfahrt auf dem Zaunpfahl sitzen siehst. Du fährst an ihm vorbei, ohne ihn zu bemerken. Er bemerkt dich.
Wenn du in diesen Septemberwochen ein klagendes "hiääh" über dir hörst, bleib kurz stehen.
Es könnte der einsamste Ruf an deinem Himmel sein.