14/07/2026
5 Jahre Flut
Hier hatte es auch geregnet, aber wir hatten keine Ahnung!
Erst über die Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis und dann über viele Kanäle wurde uns deutlich, dass es in großen Teilen NRWs und vor allem im Ahrtal schlimm sein würde.
Meine Gedanken waren noch geordnet. "Das wird der Katastrophenschutz regeln. Dafür gibt es Pläne und Taktiken." Als ich mir schüchtern die Frage erlaubte: -"Können wir irgend etwas tun?"- kam prombt die Antwort von Stefan aus Ahrweiler. "Pack alles ein und bring alle mit, das kannst Du Dir nicht vorstellen!" (...so ähnlich formuliert)
Immer noch zögerte ich. Mit leichtem Werkzeug und ersten Trupps fuhren wir los. Vor Ort sah alles sehr unwirklich aus. Aufgetürmte Autos, Wasser und viel Schlamm. Menschen in Häusern und auf Straßen mit den Klamotten, die sie an hatten, als das Wasser schnell kam. Die Lage komplett unübersichtlich. Bis auf die paar lokalen Kräfte, keine Feuerwehr. Wir begriffen nun, was im Ahrtal passiert war. Es übertraf alles. Wir mussten etwas tun...
Es folgte eine Hilfsaktion von vielen Baumpflegern, Landschaftsgärtnern, Maschinenvermietern, privaten Feuerwehrleuten und unzähligen Weiteren aus dem Umfeld. Nicht nur wir organisierten, auch in anderen Orten entlang der Ahr passierte was. Die Absprachen liefen kurz und schlagkräftig. Und es wurden immer mehr. Es wurde mit bloßen Händen und mit schweren Geräten geräumt. Reifen gingen kaputt. Der GA half, indem der Bedarf veröffentlicht wurde. Wir erreichten sogar Firmen aus Bayern. Es kamen u.a. ein Containerdienst aus Aschaffenburg und ein Reifendienst aus Bad Tölz. Wir verteilten Aufgaben und Adressen. Die Solidarität verursachte Gänsehaut und setzte unglaubliche Kräfte frei. Die Kraft war gefragt, um den vielen Menschen zu helfen. In den ersten Tagen versorgten wir rund 50 Verletzte. Hilfsorganisationen schauten vorbei, waren aber oftmals woanders eingesetzt. Die Lage war einfach zu groß. Einsatz-Führungskräfte hatten keine Übersicht, wo sie anfangen sollten. Wir gaben wertvolle Einschätzungen und Lageeinweisungen. Geholfen wurde gemeinsam.
Die Tankstellen waren zerstört. Die Räumgeräte benötigten Diesel. Ein Mann ein Wort. Ein Soldat der Bundeswehr schickte nach Handschlag mehrere Vierachser-Tankwagen. Er war gerade aus Afghanistan gekommen und meinte: "Nein, das hier ist Krieg." Über das THW kamen Mobiltoiletten. Ein Imbisswagenbesitzer aus dem Siebengebirge gab gratis Speisen aus. Um nur wenige Beispiele zu nennen. Erst nach vielen Tagen gab es für die Menschen das Nötigste. Die Meisten konnten erst Monate oder Jahre später zurück. Der Wiederaufbau ist heute längst nicht abgeschlossen. Fünf Jahre danach.
Trotz all der Not und vieler Tragödien, den menschlichen Zusammenhalt werden wir nie vergessen!
Mein größter Respekt gehört den Betroffenen, die nicht aufgegeben haben.