Dunkelbunt & Hellschwarz Trauerrednerin

Dunkelbunt & Hellschwarz Trauerrednerin Freie Trauerrednerin für besondere Menschen & außergewöhnliche Trauerfeiern im Raum Straubing, Re

Dieser eine Schritt nach vorn, Blumen ablegen, Servus sagen - schwer genug!Umso wichtiger, dass dieser Moment nicht noch...
09/09/2024

Dieser eine Schritt nach vorn, Blumen ablegen, Servus sagen - schwer genug!

Umso wichtiger, dass dieser Moment nicht noch schwerer gemacht wird.
Wann also gehen die engsten Engsten nach vorn?
Ganz einfach: So, wie es sich richtig anfühlt.

Hast du gewusst, dass der Usus auf jedem Friedhof anders ist? Manchmal warten alle auf die Angehörigen, manchmal kennt man es so, dass die Familie den Abschluss macht.

Ich sag dir eins: Es ist total egal, was Usus ist. Ihr allein entscheidet!
Möchtet ihr als engster Kreis den Anfang machen oder fühlt es sich richtiger an, als letztes ans Grab zu treten?
Die Entscheidung liegt bei euch.

Mein Tipp (und so, wie ich es grundsätzlich handhabe!): Solltet ihr als innerer Kreis den Abschluss machen wollen, bittet die Rednerin, das kurz anzusprechen. "Die Familie wird den Abschluss machen." - ein paar Worte, die so viel ausmachen.
Sie verhindern, dass diese seltsame Situation entsteht, in der sich niemand ans Grab treten traut.

Mein kleiner Zusatz-Tipp: Bittet in diesem Setting eine Freundin, Nachbarn... darum, doch den Bann zu brechen und den Anfang zu machen. Denn wir kennen es alle: Geht der Erste, gehen alle.

Wie fühlt es sich für dich besser an? Familie zuerst oder Familie zuletzt?

Ich trag dich bei mir - im buchstäblichen Sinne!"Möchte jemand die Urne tragen?" - die Frage stelle ich in den allermeis...
23/11/2023

Ich trag dich bei mir - im buchstäblichen Sinne!

"Möchte jemand die Urne tragen?" - die Frage stelle ich in den allermeisten Trauergesprächen. Oft gibt's dann erstmal erstaunte Blicke. Geht das denn so ohne Weiteres und wenn wir schon drüber sprechen: Können wir die Urne vielleicht sogar selber beisetzen?

Jein.
Auf vielen Friedhöfen ist es gar kein Problem, dass Angehörige die Urne auf dem letzten Weg tragen, auf manchen allerdings sehr wohl. Manchmal aus Prinzip, manchmal aus Versicherungsgründen und manchmal auch einfach nur, weil das ja schon immer so gemacht worden ist. 🤷‍♀️

Eine Nachfrage beim Bestattungsunternehmen lohnt sich und auch, wenns vielleicht im ersten Moment seltsam klingt: Die "Logistik" gehört sich genau besprochen - und zwar in aller Ruhe vorab.
Wann nimmt wer die Urne von der Stele, was passiert am Grab, wird sie nochmal abgesetzt oder gehalten? Und was ist, wenn ich es in diesem Moment vielleicht doch nicht schaffe?

Genauso ist es mit der Beisetzung - sprich dem Ablassen in die Erde oder dem Einstellen in die Nische.
Auch hier gilt: Nachfragen lohnt sich und unbedingt auch hier vorab einmal alles in Ruhe besprechen - wie ist das mit dem Handling, worauf muss geachtet werden?

Und keine Sorge: Du bist nicht allein, du hast Profis an der Hand, die dich begleiten und zur Seite stehen! Es kann also gar nix passieren.
Es mag wie eine kleine Geste wirken, die Großes bedeuten und noch lange nachwirken kann.

Wie ist es bei dir? Würdest du die Urne selber tragen oder hast es vielleicht sogar getan?

Wow! 🤯Wie oft sitze ich im Gespräch mit den Angehörigen und bin völlig geflasht davon, was die verstorbene Person in ihr...
07/11/2023

Wow! 🤯

Wie oft sitze ich im Gespräch mit den Angehörigen und bin völlig geflasht davon, was die verstorbene Person in ihrem Leben geleistet und erreicht hat.

Es ist so unglaublich spannend, in Laufbahnen und Karrieren einzutauchen und von verschiedensten Berufen und Berufungen zu erfahren.

Da ist die persönliche Assistentin einer Fürstin. Ein Ingenieur, der an der Entwicklung des Farbfernsehens beteiligt war. Ein Vorstand eines großen Unternehmens. Ein Gastwirt, der jahrzehntelang das Zentrum eines Dorfes war jeder einzelnen Tankstelle in Deutschland geprägt hat. Ein Professor, der jeden Tag lebensverändernde Entscheidungen für Krebspatientinnen getroffen hat. Eine Grand Dame, die über die High Society geschrieben hat...

Diese Liste könnte ewig weiterlaufen - ich bin dankbar und geehrt, von so unterschiedlichen Menschen mit so unterschiedlichen Leidenschaften und Laufbahnen, von Macherinnen und Könnern erzählen zu dürfen.

Erzähl mal: Welche Person gehört für dich zu den faszinierendsten, die du kennenlernen durftest?

"Das hat jetzt gar nicht wehgetan!" Über den Satz am Ende des Trauergesprächs mussten die Tochter und ich echt lachen. 😄...
02/10/2023

"Das hat jetzt gar nicht wehgetan!"
Über den Satz am Ende des Trauergesprächs mussten die Tochter und ich echt lachen. 😄

Ja, der Termin fürs Trauergespräch liegt vielen Angehörigen schwer im Magen. Die Sorge, was da gefragt wird. Die Angst vor den Tränen.
Die Trauer und der Schmerz.
Eine fremde Person, die so viel wissen will...

Keine Sorge: Als Trauerrednerin komme ich zwar, weil jemand gestorben ist. Wir sprechen trotzdem viel mehr darüber, dass gelebt wurde!
Auch, wenn der letzte Teil des Weges gerade übermächtig zu sein scheint, isser doch nur ein Bruchteil eines ganzen Lebens.

Und ja, es wird oft geweint in diesen Gesprächen, aber noch viel öfter wird gelacht. Weil wir mit der Lupe auf die Persönlichkeit schauen, auf die Geschichten und Eigenheiten, auf all das, was bleiben wird, wenn man zurückschaut.

Wir treffen uns nicht, um über den Tod zu sprechen. Wir sprechen über ein ganzes Leben!

Schon gewusst?"Wir haben Bestattungsunternehmen XY beauftragt, weil der ja da am Friedhof zuständig ist. Wir hatten ja k...
22/09/2023

Schon gewusst?

"Wir haben Bestattungsunternehmen XY beauftragt, weil der ja da am Friedhof zuständig ist. Wir hatten ja keine Wahl." 🤷‍♂️

Den Satz höre ich erschreckend oft in Trauergesprächen.
Oh doch, du hast die Wahl! Denn du allein entscheidest, wen du für die Trauerfeier beauftragst. 💪

Dabei ist es völlig egal, wer die Bestattungshoheit auf dem Wunsch-Friedhof hat - du kannst trotzdem ein anderes Bestattungsunternehmen wählen!

Deswegen: Beauftrage die Profis, bei denen du dich gut aufgehoben und begleitet fühlst! Sie kümmern sich um die gesamte Koordination und Planung - einzig bei den Aufgaben am Friedhof übernimmt der Bestatter vor Ort.

Das gilt übrigens auch für alles andere: Die Wahl von Floristik, Trauerredner*in und Co. liegt allein bei dir!
Bestattungsunternehmen werden Empfehlungen aussprechen - wählen solltest du trotzdem genau die Profis, bei denen du dich gut aufgehoben fühlst!

Wie hast du entschieden oder würdest entscheiden? Was war dir bei der Auswahl am wichtigsten?

Schon lang nix mehr gepostet. Schon lang nix mehr gezeigt. Das hat auch einen Grund: Ich hadere. Nicht mit meiner Arbeit...
07/02/2023

Schon lang nix mehr gepostet. Schon lang nix mehr gezeigt.
Das hat auch einen Grund: Ich hadere.
Nicht mit meiner Arbeit als Trauerrednerin. Aber mit der Trauerwelt hier auf Instagram.

Ich sehe praktisch Live-Bildmaterial von Gräbern, Särgen, Urnen & Co, die hochgeladen werden, während die Angehörigen noch beim Kaffee den Tag verarbeiten.
Ich lese die detailliertesten Einblicke in Menschenleben, kaum, dass die Urne den Weg unter die Erde gefunden hat.
Ich sehe Screenshots von Whatsapp-Nachrichten und Trauerkarten mit absolut persönlichen Worten der Dankbarkeit, die für eine Person und nicht fürs Internet geschrieben wurden.

Ich denke an den verstorbenen Menschen und seine Angehörigen, die vielleicht einen Tag nach der Trauerfeier durch Insta scrollen und ihren Schmerz ins Gesicht gerieben bekommen, weil sie die Urne und die Detailbeschreibung der Trauerfeier anspringen.

Ja, ich hadere. Weil das Thema Tod mehr in die Mitte der Gesellschaft gehört. Weil ich von meiner Arbeit erzählen möchte, um zu zeigen, dass Trauer nicht schwarz sein muss. Weil es so wichtig ist, Menschen Mut zu machen, den Abschied so zu gestalten, wie SIE es für richtig halten.

Aber brauche ich dafür Urnen, Särge und Gräber in Dauerschleife? Braucht es fast schon Livestreams von Trauerfeiern und Lebensberichte, die so detailliert sind, dass man sich das Anonymisieren eigentlich auch gleich sparen kann?
Ich hinterfrage die Intention solcher Posts und an wen sie gerichtet sind. Ich hinterfrage, was mit diesen Posts erreicht werden soll.

Ich hadere. Mit der Trauerbubble auf Instagram. Ich bin auf der Suche nach einem Weg, meine Arbeit so zu zeigen, dass sich Angehörige sicher fühlen können und die Verstorbenen gewürdigt werden.

Ich will, dass das hier ein Save Space, ein Kanal für Trauernde ist.
Kein Trophäen-Eigenlob-Schrank für mich, kein Katalog für andere Trauerredner*innen.

Und hey, bevor sich wieder jemand angegriffen fühlt: Das alles ist MEINE Sicht der Dinge. Wir alle tun das, was sich für uns richtig anfühlt. Dein Pool, deine Party. Mach dein Ding!
Ich geh dann mal meinen Pool weiterbauen & melde mich, wenn er fertig ist 😊

Zwei Rosen. Zwei Menschen. Eine Verbindung.Ein Ehepaar, das das ganze Leben miteinander verbracht hat. Zwei Menschen, so...
03/12/2022

Zwei Rosen. Zwei Menschen. Eine Verbindung.

Ein Ehepaar, das das ganze Leben miteinander verbracht hat.
Zwei Menschen, so eng verbunden.
Zwei Menschen, die innerhalb weniger Tage versterben.

Für die Familie, die zurückbleibt, doppelter Schmerz und doppelte Trauer.
Wir stehen also auf dem Friedhof nicht vor einer, sondern gleich vor zwei Urnen und nehmen Abschied von Eltern und Großeltern. Nicht von einem, sondern von zwei geliebten Menschen.

Es ist schwer und schwer in Worte zu fassen.

Und doch tröstet der Gedanke ein wenig, dass sie nicht lange ohneeinander sein mussten. Dass keiner von Beiden ohne den Seelenverwandten und gebrochenem Herzen zurückbleiben musste.
Vorm inneren Auge der Familie sitzen die Beiden Hand in Hand auf einer Wolke, lösen ihr geliebtes Kreuzworträtsel und ärgern sich mit den kleinen Scherzen, wie sie das seit Jahrzehnten gemacht haben.

In all der Trauer ein wirklich tröstendes Bild, oder?

Sind Trauerredner*innen & katholische Priester eigentlich natürliche Feinde?Die Frage ist selbstverständlich nicht ernst...
28/11/2022

Sind Trauerredner*innen & katholische Priester eigentlich natürliche Feinde?

Die Frage ist selbstverständlich nicht ernst gemeint, wobei es mir manchmal fast so vorkommt, zumindest aus Sicht der Kirchenvertreter. Als Trauerrednerin im bayerischen Dorf habe ich schon so einiges erlebt und gehört.
Die folgende Geschichte hat aber sogar mich sprachlos gemacht.

Ein kleines Dorf in Niederbayern, ein Mensch stirbt, der dort tief verwurzelt war, in Vereinen und der Gemeinde.
Der Wunsch des Verstorbenen: Eine freie Trauerfeier.
Ehefrau, Bestatterin und ich machen uns an die Vorbereitung. Der einzige Mensch, der nicht einverstanden ist: Der Dorfpfarrer.

Nicht nur, dass er der Bestatterin das ausführlich kommuniziert, inklusive Kreuzverhör, wer diese Rednerin eigentlich ist. (Kenne ich schon zur Genüge, tangiert mich großzügig).

Was mich nicht tangiert:
Dass er die Witwe nicht nur anruft, sondern mehrfach und heftig bedrängt: Er könne doch die Trauerfeier auch machen, er hätte den Verstorbenen wenigstens persönlich gekannt und - sein wichtigstes Argument - er koste ja nix.

Bei der Trauerfeier höre ich dann: Er hat heftig recherchiert, um rauszufinden, was ich koste, mehrfach deswegen bei der Bestatterin angerufen. Sogar meine Website hätte er sich angeschaut (wo er übrigens mit zwei Klicks meinen Preis gefunden hätte...) Und natürlich ist er an diesem Tag da, das könne er sich ja nicht entgehen lassen.

Noch während des Abschieds und der letzten Lieder kommt er zu mir und löchert mich ziemlich unangenehm zu meiner Arbeit. Nur die Preisfrage stellt er nicht.

Zumindest nicht mir. Stattdessen ruft er am Tag danach die Witwe an, um unbedingt meinen Preis zu erfahren.

Ehrlich gesagt: Mich macht dieses Verhalten sprachlos. Statt den Wunsch des Verstorbenen und der Ehefrau zu respektieren, wird wie ein Elefant im Porzellanladen durch die Gegend gepoltert.

Warum fällt es so vielen Geistlichen so schwer, ein friedliches Nebeneinander von freien und kirchlichen Trauerfeiern zu akzeptieren?
Ich glaube, ich gehe über zu "Nicht aufregen, nur wundern...".

Oder was denkst du?

Es ist Montagmorgen. Ich checke den Kalender für die Woche. Okay, sieht gut aus, eine Trauerfeier am Mittwoch, eine am S...
06/11/2022

Es ist Montagmorgen. Ich checke den Kalender für die Woche.
Okay, sieht gut aus, eine Trauerfeier am Mittwoch, eine am Samstag, dazu eine Hochzeit. Die Reden sind fertig, alles easy.

Die restliche Woche: Einigermaßen frei. Yes, denke ich mir. Endlich Zeit für die vielen To Dos, die in letzter Zeit liegen geblieben sind. Ich lege mir eine Liste an, plane die Aufgaben, starte motiviert und konzentriert.

Es läuft, der Plan geht auf, ich schaffe so einiges. Es läuft, bis Dienstagnachmittag.
Dann klingelt das Telefon. Ein neuer Auftrag, Trauerfeier nächste Woche, der Gesprächstermin direkt am nächsten Tag.
Platz schaffen am Donnerstag, um die Rede zu schreiben.

Zurück an die Arbeit, zurück in den Flow, dann der nächste Anruf, dieses Mal vom Bestatter. Könnten Sie vielleicht noch am Montag...? Ich rufe die Angehörige an, der zweite Gesprächstermin am nächsten Tag.

All right... Innerhalb zwei Stunden schaut der Kalender komplett anders aus. Am Mittwoch eine Trauerfeier und zwei Trauergespräche, im Idealfall schaffe ich am Donnerstag beide Reden.
Bleibt im Idealfall der Freitag für meine To Dos... Stand jetzt. Wenn nicht wieder das Telefon klingelt.

Jup, genau so ist das Leben als Trauerrednerin. Flexibel sein, spontan sein, Pläne umwerfen. Denn der Tod richtet sich nicht nach meinem Kalender.

Klingt stressig und anstrengend? Ist es auch. Manchmal mehr, manchmal weniger. Und trotzdem erfüllt mich dieser Beruf mehr, als ich es jemals erwartet hätte.

Mein Tipp an alle, die mit dem Gedanken spielen, Trauerredner*in zu werden: Mach dir die ungeschminkte Alltagsrealität bewusst und entscheide dich bewusst dafür.

Genau deswegen mache ich mich jetzt auf zu einer Trauerfeier und fahre nachmittags direkt zu zwei Trauergesprächen. Morgen werde ich schreiben. Naja, außer, das Telefon klingelt.
Wir werden sehen 😌

Queere Trauerfeier?🌈Vor Kurzem hat mich ein großartiges Video von  echt zum Nachdenken gebracht.Das Thema? Ein ziemlich ...
10/10/2022

Queere Trauerfeier?🌈

Vor Kurzem hat mich ein großartiges Video von echt zum Nachdenken gebracht.
Das Thema? Ein ziemlich gruseliges Werbevideo eines Bestattungsunternehmens zum Thema "Queere Beerdigung". Darin gings um den Lesbenfriedhof, rosarote Särge und andere sehr befremdliche Geschichten.

Die Frage, die bleibt: Braucht es das? Braucht es eine Unterscheidung zwischen queeren und nicht-queeren Trauerfeiern?

Erstmal nö! Denn eine Beerdigung sollte immer so individuell und besonders sein, wie es auch der Mensch war, der gegangen ist. Schwarz, quietschbunt, rosarot oder Regenbogen - total wurscht!

Und dann doch irgendwie doch ein bisschen. Es braucht keine queeren Beerdigungen. Aber es braucht Menschen in der Branche, die sensibel dafür sind.

Wie Trixie sagt: Die Tina liebe- und respektvoll als Tina verabschieden, auch wenn noch der Geburtsname im Ausweis steht.
Die Generationenkonflikte zwischen den Zeilen herauslesen und sich klar positionieren können. Die nicht automatisch nach der Partnerin oder dem Partner fragen. Für die die Begriffe nicht-binär, trans und Co. keine Fremdwörter sind und die eben nicht nur "Frau XY" oder "Herr XY" kennen.

Deswegen sage ich: Wir brauchen keine queeren Beerdigungen, wir brauchen individuelle Trauerfeiern!
Aber: Wir brauchen eine offene, aufgeklärte und sensible Branche.

Wie siehst du das?

Danke Trixie fürs Thematisieren, Ansprechen und dafür, dass du die ganze Branche mit deiner Arbeit ein Stück bunter machst!

50 Prozent der Menschen, die ich in diesem Jahr verabschiedet habe, hatten ein Suchtproblem.In den allermeisten Fällen w...
16/08/2022

50 Prozent der Menschen, die ich in diesem Jahr verabschiedet habe, hatten ein Suchtproblem.
In den allermeisten Fällen war es Alkohol und in den allermeisten Fällen war es die Todesursache.

Angehörige, die sich von einem Menschen mit Suchtthematik verabschieden müssen, tragen ein paar besonders schwere Pakete mit sich herum.

🤫 Das Tabu.
Über Sucht spricht man nicht. Manchmal erlebe ich Klartext, manchmal Drucksen, manchmal Schweigen. Ich lese aus Diagnosen, Krankheitsgeschichten und Erzählungen. Wenn ich nachfrage und das Thema plötzlich auf dem Tisch liegt, heißt es oft: "Aber das weiß niemand und das wollen wir nicht bei der Beerdigung!". Nein und Ja. Fast immer wissen fast alle davon. Und genau deswegen müssen wir es auch bei der Trauerfeier nicht auf dem Silbertablett servieren.

😱 Viele Jahre Leid
Abhängige Menschen sterben nicht von heute auf morgen. Es ist eine Leidensgeschichte über Jahre, manchmal Jahrzehnte. Für die Süchtigen, aber noch mehr für ihre Angehörigen. Sie streiten, bitten, kämpfen, diskutieren, hoffen und stehen doch hilflos daneben. Das hinterlässt richtig viele Spuren.

😳 Die vielen Gefühle
Vorwürfe, Wut, Hadern, Bedauern, Erleichterung - gegenüber dem Menschen, der gegangen ist und sich selbst gegenüber. "Hätten wir doch...", "Wenn wir nur..." In die Trauer um einen suchtkranken Menschen mischt sich eine ganze Wagenladung Emotionen.

🌞 Die Suche nach dem Licht
Wenn Angehörige von den letzten Wochen und Monaten erzählen, ist da viel Dunkelheit, viele Wolken, viel Sturm. An dieser finsteren Wand vorbeizuschauen und einen Blick auf die sonnigen Zeiten zu werfen, fällt ihnen oft unglaublich schwer.

Wir Trauerredner*innen tragen in diesen Momenten eine große Verantwortung. Wir öffnen Türen, damit alles ausgesprochen werden kann, was bisher vielleicht unausgesprochen war. Wir bauen Brücken zu den guten Erinnerungen. Wir finden einen Weg, um über ein Leben zu sprechen, wie es war. Wir reichen die Hand zu einem guten Abschied.

Wie stehst du zu diesem Thema?

Schreiben.Ja gut, nicht unbedingt mit der Hand wie hier auf dem Bild. Ich kann nicht poetisch behaupten, dass meine Rede...
13/07/2022

Schreiben.

Ja gut, nicht unbedingt mit der Hand wie hier auf dem Bild.
Ich kann nicht poetisch behaupten, dass meine Reden mit einem weißen Blatt Papier beginnen. Stattdessen beginnen sie mit einem leeren Word-Dokument auf meinem Star Wars-Laptop.

Der Moment ist immer ein besonderer. Wenn da noch gar nix steht und alles nur darauf wartet, eine Lebensgeschichte in Worte zu fassen. Nebendran die geöffneten Notizen aus dem Gespräch und der ausgefüllte Fragebogen.

Manchmal flutscht es sofort, dann, wenn der rote Faden knallrot leuchtet und sich der Aufbau beim Tippen von selber findet.
Manchmal liegen Schicksale vor einem, schlimme Ereignisse, schwierige Persönlichkeiten, dunkle Tage. Sie in die passenden Sätze zu packen, nicht auf- und nicht abwertend, weder als Abrechnung noch als Lobeshymne - das ist der anspruchsvollste Part unserer Arbeit.

Manchmal, da sitze ich an meinem Rechner und denke mir: Wie zum Geier soll ich daraus eine würdige Rede machen?
Aber irgendwann ist das letzte Wort geschrieben, die Sätze formen ein Leben, so wie es war. Nicht schöner, nicht schlechter. Einfach so, wie es eben war.

Ein kritisches Drüberlesen, ein letztes Korrigieren und dann der Klick auf "Drucken".
Noch zweimal durchgehen, die Tasche packen und die letzten Absprachen mit den Angehörigen treffen. Der Blick auf die Uhr, ein Nicken und der Schritt ans Pult.
Und dann formen Worte ein ganzes Leben.

Was für ein riesiges Vertrauen, das die Angehörigen in uns legen. Was für eine riesige Verantwortung, die wir tragen. Was für ein wunderbarer Beruf.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, liebe*r Kolleg*in, aber ich will ihn nicht mehr missen.

Adresse

Auenstraße
Kirchroth
94356

Öffnungszeiten

Montag 08:00 - 21:00
Dienstag 08:00 - 21:00
Mittwoch 08:00 - 21:00
Donnerstag 08:00 - 21:00
Freitag 08:00 - 21:00
Samstag 08:00 - 19:00
Sonntag 08:00 - 19:00

Telefon

+491632176997

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