10/07/2026
Und plötzlich ist sie wieder da, die Kampfhunddebatte !
Ein vierjähriges Kind hat sein Leben durch einen Hund verloren. Die Internetexperten suchen den Schuldigen. Aber wer soll schuld sein? Eine Mutter, die ihr Kind verloren hat? Ein Kind, dass nicht mehr lebt, oder ein Hund, der vermutlich nicht mehr lange leben wird?
Es ist eine Tragödie ! Es ist so furchtbar, dass man es eigentlich gar nicht glauben mag. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, für mich persönlich kommt dass alles andere als überraschend. Ich bin seit 25 Jahren Sachverständiger für Hunde und erstelle jedes Jahr mehrere Gutachten für Kampfhunde.
Was ich dabei erlebe, würde inzwischen ein eigenes Buch füllen. Für Euer Verständnis, nur ein kurzes Beispiel:
Du wirst bestellt, um ein Gutachten für zwei Rottweiler zu erstellen. Der Termin beginnt mit der Begehung der Halterwohnung. Die beiden Rottweiler im besten Alter sind aufgeschlossen und freundlich. Die Wohnung ist räumlich etwas beengt. Vielleicht 70 qm oder ein wenig mehr. Die Befragung der Hundehalterin beginnt, die Hunde liegen ruhig am Tisch. Das Kleinkind, zirka 1,5 Jahre, kommt mit einem Gehfrei (Lauflernhilfe mit Rädern) zu uns in das Zimmer.
Ich sehe wie das Kind mit dem klobigen Gehfrei einige Male gegen die Pfoten der Hund fährt. Die Hunde zucken jedesmal weg. Ich merke an, dass ich persönlich diese Situation für äußerst gefährlich halte und diese Form der Zusammenkunft zwischen dem Kind und der Hunde unterbinden würde.
Die Reaktion der Mutter: "Ach was, die kennen das, die würden der Kleinen niemals etwas machen!"
Das ist schlichtweg falsch ! Es ist auch falsch, dass wir Hunde verniedlichen, sie wie Püppchen behandeln, sie in Watte packen und nicht adäquat erziehen, auslasten und rassetypisch behandeln. Diese ganzen Unfälle sind vorprogrammiert. Die Gefahr lauert dabei in meinen Augen viel weniger bei vermeintlichen "Zielgruppen", sondern viel mehr bei "Lieschen Müller", die ihrer ach so süßen "Fellnase" eine niedliches rosa Geschirr mit der Aufschrift "Kampfschmuser" anzieht.
Leute, dass ist nicht witzig ! Diese Verharmlosung, Verniedlichung und inkompetente Führung von Hunden ist ein grosses gesellschaftliches Problem.
Dabei ist es mir völlig egal, ob wir über Terrier, Molosser, Schäferhunde oder sonstwas reden. Fast alle unserer ca. 400 Hunderassen haben das Potenzial, andere Hunde oder Menschen zu gefährden, oder sogar zu töten.
Denkt darüber nach. Danke und schönes Wochenende !