31/10/2023
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Trost
Trost, das ist Beistand, Besänftigung, Begleitung, Berührung, Beruhigung, Verständnis, tatkräftige Unterstützung, mitfühlende Zuwendung, Fürsorge, Ermutigung und Zuversicht, Rettung in der Seelennot.
Trost ist die Erfahrung im Schmerz nicht allein zu sein.
Trost schenken uns Menschen, die die Fähigkeit haben einfach da zu sein, zuzuhören, sich in uns hineinzuversetzen, uns zu verstehen, uns keine Ratschläge um die Ohren hauen, was wir zu tun haben oder was wir nicht getan oder falsch haben, oder uns mit banalen Sprüchen vertrösten wie: „Das wird schon wieder, nimm´s nicht so schwer!“, und sich dann schnell wieder vom Acker machen, weil sie wahnsinnig Wichtiges zu tun haben.
Trost spendet neue Lebenskraft, wenn wir am Boden zerstört sind, aber nirgendwo lernen wir wie man sich selbst und andere tröstet. Viele gehen auf Distanz wenn ein Mensch leidet, woran auch immer. Sie wissen nicht wie man mit schmerzvollen Situationen umgeht, sind unsicher wie sie sich verhalten sollen oder sie haben Angst, wenn sie einem leidenden Menschen zu nah kommen, Leid und Ku**er könnten ansteckend sein.
In Folge der zunehmenden Vereinzelung in unserer Gesellschaft, sind immer mehr Menschen gerade auch in schmerzhaften Lebenssituationen auf sich selbst zurückgeworfen. Ich kenne viele dieser Menschen. Sie begegnen mir in der Praxis. Sie begegnen mir im Flur des kleinen Hinterhauses in dem ich lebe. Da ist der Nachbar, der jeden Morgen seine traurigen arabischen Lieder singt, da ist die alte Frau im Vorderhaus, die auf ihre Kinder wartet, die nicht kommen und ihre Sehnsucht mit Whats App Nachrichten beantworten. Sie begegnen mir auf der Bank in der Fußgängerzone wie die alte Dame, die mir unter Tränen erzählt, dass sie jeden Tag um die Mittagszeit auf dieser Bank sitzt, nur um Menschen zu sehen, weil sie die Einsamkeit in ihrer Wohnung nicht erträgt.
Viele Menschen haben es nicht leicht, sogar schwer haben sie es, und ist da kein naher Mensch, dem sie sich anvertrauen können, wenn sie Trost brauchen, bleiben sie untröstlich. Sie versinken in ihrer traurigen Welt und niemand kümmert es. Sie verkümmern. Seltsamerweise taucht sogar in der Therapeutischen Literatur der Trost nicht auf und dabei ist er so wesentlich, denn Menschen brauchen Trost um sie neu zu beleben.
Was wenn wir selbst Trost suchen und da niemand ist, bei dem wir ihn finden?
Was können wir für uns selbst tun?
Was hilft, um uns zu besänftigen und uns selbst zu beruhigen? Welche Mittel haben wir zur Selbsttröstung?
Was sind unsere Trostquellen?
Für jeden von uns sind es andere. Gut sie sie zu kennen.
Aber es gibt Mittel und Wege die für uns alle hilfreich sein können, wenn wir Trost brauchen. Spaziergänge in der Natur, Bewegung jeder Art, Sauna, Schwimmen, ein warmes Bad, Reisen, Schreiben, Bücher, Zeichnen und Malen, Fotografieren, Qi Gong, Yoga, Handwerken, Handarbeiten, Tanzen, Musik, Kochen, die Wohnung und den Kleiderschrank ausmisten, Weinen, Beten, Meditation, ein Besuch in der Kirche, ein Besuch im Museum, ein Haustier und nicht zuletzt alle Sinnesfreuden und das Schöne, das wir bewusst wahrnehmen.
All das sind Trostquellen, die unser Herz und unseren Blick auf etwas richten, was heilsam ist, uns emotional entlastet, uns erleichtert, den Ku**er lindert, uns aus der seelischen Verhärtung löst, wärmt und befriedet, was uns quält.
Trostquellen schenken uns Fülle, wenn wir im Zustand des Mangels sind. Wir beschenken uns selbst mit dem, was unser Leben bereichert, wir wenden uns im aktiven Tun uns selbst zu, wir lassen uns berühren von dem, was unserer Seele und unserem Körper gut tut. Wir trösten und beruhigen uns selbst. Wir finden neue Zuversicht. Und wenn es nur ein Moment in der Zeit ist, in dem es uns gelingt uns selbst zu trösten, es ist immerhin dieser eine Moment, in dem wir gewahr werden, dass wir selbst viel mehr für uns tun können, als wir glaubten. Das verändert vieles.
Angelika Wende
www.wende-praxis.de