Freie Rednerin Hanna Labita

Freie Rednerin Hanna Labita Freie Rednerin für Trauungen und Abschiede

07/06/2026

20/05/2026

Ich bin kein furchtloser Mensch, ganz und gar nicht. Ich habe vor allem Angst. Wenn ich nicht aufpasse, male ich mir worst case Szenarien aus.

Aber ich war in meinem Leben dennoch immer irgendwie verdammt mutig.
Allein nach Italien für 4 Jahre, dort den Bachelor gemacht, OHNE die Sprache zu können. Die habe ich mir vorher in Bars und auf Messen angeeignet.

Ausbildung zur Trauerbegleiterin gemacht, als Krankheit und Tod in meiner Familie Stammgast wurde. Dem Tod ins Auge geblickt, mich damit konfrontiert. Ich finde auch das sehr mutig von mir.

Meine erste Ehe geschieden, als ich gemerkt habe, das ist es nicht. Viele Freunde dadurch verloren. Komplett neu angefangen. Auch das ist sehr mutig gewesen.

Ich habe eine kleine Punkerin in mir, so nannte es mal eine Psychologin. Eine Punkerin, die mich aus der Komfortzone schmeisst und mich Dinge entscheiden lässt, die gut für mich sind.

Ich habe auch Fehler gemacht, und wie. Ich bin da auch unerbittlich hart mir gegenüber. Unverzeihlich. So wäre ich Anderen gegenüber nie. Da verzeihe ich, bin weich, mir gegenüber nicht.

Am Ende des Lebens möchte ich zurückblicken können und sagen „Ja, ich habe gelebt. Und wie. Mit allem, was dazu gehört“.

Wie ist das bei Euch? Seid Ihr mutig? Wenn ja, teilt das doch so gern mit mir.

05/05/2026

𝐃𝐮𝐧𝐤𝐞𝐥𝐛𝐮𝐧𝐭 ist schön, aber tiefes und richtig schönes Bunt in unserer Welt ist noch schöner.

Und das kann Humor, unser Lachen, unsere Freude.

Auch in Trauerreden. Weil die eigentlich gar nicht per sè traurig sind. Sondern lebendig, eben TIEF BUNT.

Und Lachen bei Beerdigungen wohltuend sind.
𝐍𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐡𝐞𝐢𝐥𝐞𝐧𝐝, 𝐚𝐛𝐞𝐫 𝐰𝐨𝐡𝐥𝐭𝐮𝐞𝐧𝐝.

Weil es für mich nichts schöneres gibt, wenn die Trauergäste anfangen zu lächeln, sich zu entspannen, wenn sie merken, die Rede ist keine TRAUERrede, sondern eine lebendige lebenswerte LEBENSrede.

Lachen ist gesund, Lachen hilft uns, Schmerz auszuhalten, nicht dran zu zerbrechen.

𝑬𝒊𝒏𝒆 𝑾𝒆𝒍𝒕 𝒐𝒉𝒏𝒆 𝑳𝒂𝒄𝒉𝒆𝒏 𝒊𝒔𝒕 𝒎𝒐̈𝒈𝒍𝒊𝒄𝒉, 𝒂𝒃𝒆𝒓 𝒏𝒊𝒄𝒉𝒕 𝒔𝒄𝒉𝒐̈𝒏.❤️

𝐄𝐢𝐧𝐞 𝐓𝐫𝐚𝐮𝐞𝐫𝐫𝐞𝐝𝐞 𝐨𝐡𝐧𝐞 𝐋𝐚𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐢𝐬𝐭 𝐦𝐨̈𝐠𝐥𝐢𝐜𝐡, 𝐚𝐛𝐞𝐫 𝐬𝐞𝐡𝐫 𝐭𝐫𝐚𝐮𝐫𝐢𝐠. 💜

02/05/2026

20 Wünsche. Das bitte ich Trauernde oft. 20 Wünsche sich aufschreiben, die si sich im Leben wünschen. Realistische Wünsche.
Und das geht auch erst, wenn die Trauer schon ein bisschen Platz im Leben hatte, nicht, wenn sie frisch ist.

Dann schreiben die Trauernden 20 Wünsche auf. Die sie sich erfüllen wollen. Materielles, menschliches, auf den ersten Blick einfache Wünsche, vielleicht auch Wünsche, die mehr Kraft erfordern.

Warum tu ich das?
Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass diese Wunschliste die Trauernden wieder ins Leben zurückholt. Behutsam und sanft.

Neulich hatte ich ein Gespräch mit einer Jugendlichen, die ihren Papa verloren hat, viel zu jung und viel zu plötzlich.
Sie hat diese Liste erstellt, ihre persönliche Wunschliste. Unter anderem war da Döneressen drauf. Nach wochenlanger Trauer daheim, sich einigeln, keine Menschen sehen wollen, kraftlos sein, hat sie sich auf diesen Wunsch eingelassen mit ihrer besten Freundin.

Und sie hat gemerkt: es tat ihr gut, so gut.
Die Trauer war immer noch da, das wird sie auch, sie wird Begleiterin im Leben dieses Mädchens. Sie wird sich wandeln im Laufe der Zeit. Auch beim Döneressen saß die Trauer dabei. Aber eben mit dem Döner zusammen. Mit ein bisschen Lachen. Und etwas neuem Lebensmut. Weil das Mädchen in Leben noch hat. Freude empfinden darf, nach und nach.

Der nächste Wunsch ist bei ihr, mit ihrer Mama nach Florenz zu reisen, da wo der Papa so gerne war. Italien auf sich wirken zu lassen.

Ich liebe die 20 Wünsche. Die wachsen dürfen. Aber sie helfen uns, wieder behutsam ins Leben zurückzufinden. Irgendwann. Wenn wir soweit sind.

02/04/2026

Am Anfang kennen wir uns nicht. Die Familie und ich.
Ich begrüße meist mit einem Handschlag. Sieze, wenn ich merke, mein Gegenüber ist älter wie ich, oder wenn ich noch nicht sicher bin, wie es passt.

Dann klären wir erst die „harten Fakten“ wie nochmals den Ort der Trauerfeier, die Zeit. Das ist enorm wichtig, glaube ich, damit die Familie sich behutsam annähern kann.
Dann tauchen wir ein in die Lebensgeschichte ihres Menschen.

Und Nähe entsteht. Sehr große Nähe. Ich bekomme soviel erzählt vom Leben, auch vom Leben der Familie. Von Freude, aber auch von Ku**er, von Sucht, von Lachen, von Herausforderungen.

Ich stelle oft Fragen, die man sich sonst nicht stellt. Das macht nachdenklich. Lässt auch lächeln.

Und wenn ich gehe, umarme ich meist alle zum Abschied. Weil ich ein bisschen eine Freundin geworden bin. Eine Freundin dieses Lebensabschnittes.

Und das ist es, was mein Herz so öffnet an diesem Beruf.

Danach setze ich mich hin und suche Worte. Erstelle, feile, probiere aus. Damit ich am Tag der Trauerfeier meine Worte wie ein Geschenk dieser Familie übergeben darf.

verlust trauer abschiedmuenchen

11/03/2026

Niemand weiss das, wie es ist, wenn wir zum ersten Mal einen Menschen verlieren.
Niemand hat da einen Plan in der Hand, der uns Instruktionen gibt.
Niemand bereitet uns auf das Vermissen-Gefühl vor.

Diesen unglaublichen Schmerz, wenn plötzlich ein Mensch so sehr fehlt.

Für mich ist das absolut Unbegreifliche immer noch die Tatsache, dass ich diesen Menschen einfach NIE NIE wieder sehen kann. Nicht mehr etwas fragen kann, nicht mit ihm ratschen kann.

Abschied ist für jeden von uns etwas anders. Manche von uns weinen, andere verfallen in Starre. Manche reden drüber, andere machen es mit sich aus.

Manche liegen nachts wach, andere verfallen in eine Art Tiefschlaf.

Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Was hilft, sind die richtigen Menschen um sich. Menschen, die zuhören, dich umarmen, für dich da sind, und das nicht nur in der Akuttrauer am Anfang, sondern darüber hinaus. Dann, wenn der Alltag EIGENTLICH wieder eingekehrt ist für Andere und für dich noch lange nicht.

06/03/2026

Ich stell mir diese Frage immer wieder.
Was wäre Dir wichtig? Du bekommst es höchstwahrscheinlich nicht mehr mit, da gebe ich Dir Recht. Aber wenn doch, was soll über Dich gesagt werden?

Soll über einen beruflichen Erfolg berichtet werden? Darüber, dass Du 100K verdient hast, aber keine Zeit hattest, das Geld auszugeben?

Oder darüber, dass du es geliebt hast, auf Apres-Ski-Parties zu gehen, zu feiern, zu singen.
Oder du immer versucht hast, dich gesund zu ernähren, aber dem Stück Kirschkuchen nicht widerstehen hast können?
Oder du völlig verliebt warst in eine Pflanze, die gehegt und gepflegt hast und auch in Urlauben immer einen Pflanzensitter organisiert hast?
Oder du immer nach Mademoiselle gerochen hast, das Parfüm du geliebt hast?

Denn genau diese Details machen uns Menschen aus.
Die lassen unser Herz höher schlagen und bringen uns zum Lächeln.




28/02/2026

Es gibt immer wieder Trauerfeiern, die mir wirklich alles abverlangen.
Das ist vor allem dann, wenn ein Kind stirbt.
Wenn ich Worte finden muss für was, wofür es überhaupt keine Worte gibt.

Wenn ich selber dastehe und mir denke, wie zum Teufel man diesen Schmerz aushalten kann. Mein Mamaherz sich schmerzhaft zusammenzieht und ich am liebsten die Welt Zusammenbrüllen würde, das Schicksal, Gott, wen auch immer. Jemanden zur Verantwortung ziehen möchte.

Und trotzdem sind Worte - MEINE Worte wichtig. Weil ich von diesem kleinen besonderen Menschen erzähle.

Es geht darum, wie sehr es das Leben der Eltern, der Großeltern, der Geschwister, des ganzen Umfeld besser gemacht hat. Schöner. Lebenswerter. Heller! Soviel heller. Mit seinem Lachen, mit seinen blitzenden Augen, mit seinem Da-Sein.

Weil dieser kleiner Mensch soviel in unser Leben gebracht hat. Und die Welt jeden Tag ein bisschen besser gemacht hat für uns.
DARUM geht es an diesem Tag.





22/02/2026

Neulich hat das Telefon geklingelt. Eine Frau war dran „Ich werde am Freitag sterben und ich möchte, dass Sie meine Lebensrede mit mir zusammen schreiben“.

Sie hat die Möglichkeit der Sterbehilfe, was seit 4 Jahren circa in Deutschland möglich ist, in Anspruch genommen, da sie schwer erkrankt ist.

Seitdem hat es in meinem Kopf rumort. Wie ist es, den Todestag zu kennen? Ich durfte die Frau auch danach fragen. Sie meinte, sie denkt nicht dran. Sie organisiert lieber alles vorher weg. Sie möchte kein Chaos hinterlassen.
Und in Würde sterben. Das sind ihre Ziele.

Wir haben noch am Abend zuvor lange telefoniert. Sie war sehr ruhig. Fast demütig.

Das letzte Mal Essen, das letzte Mal Zähneputzen (macht man das dann überhaupt oder denkt sich, das ist jetzt auch schon egal?), das letzte Mal aus dem Bett aufstehen.
Diese letzten Male so BEWUSST zu erleben stelle ich mir persönlich am schwierigsten vor.

Ich glaube, ich würde mir immer vor Augen halten, was mich dazu bewogen hat, NICHT auf natürliche Weise von dieser Welt zu gehen. Der Schmerz, die Abhängigkeit.

Denn ansonsten könnte ich das für mich nicht gut durchziehen, denke ich.

Ich habe vor allem eines: tiefen Respekt vor dieser Frau.
Ich gestalte nun ihren Abschied. Zusammen mit ihrer Familie und der Bestatterin von .bestattungen. Liebevoll und selbst voller Mut machen wir das. Ganz so, wie sie es wollte.

Und ich werde diese Frau nie vergessen. Nie ihren Mut, ihre Zielstrebigkeit, ihr großes Herz.

16/02/2026

„Man darf das nicht mit heimnehmen, sonst bist du falsch in dem Job“.
Wie oft hab ich diesen Satz sowohl im Studium als auch in meiner Ausbildung zur Trauerbegleiterin und Freien Rednerin gehört. Und ja, ich gebe Recht: man darf es nicht so mit heimnehmen, dass man daran kaputtgeht.

Aber WIE ich es mit heimnehme, ist individuell. Meine Sache.
Ich nehme Geschichten mit heim. Ich weine dann in de Armen meines Mannes, ich wache nachts auf und weine, es ist in mir.

Das in der Zeit zwischen dem Familiengespräch und der Trauerfeier. Dem Schreiben meiner Rede.
Ich tauche tief ein. Und ich möchte das auch gar nicht anders.

Das ist meine Art, es zu verarbeiten.

Ich weiss, ich gehe nicht daran kaputt, aber dennoch geht mit jeder schweren Geschichte mein Herz ein bisschen einen kleinen Riss.
Der durch ganz viel Liebe und Fürsorge durch mich, durch meinen Mann, meine Freundinnen wieder zugeht.
Aber eine Narbe bleibt.

Und das ist für mich gut so. Denn nur so kann ich als Trauerrednerin arbeiten.
Nur so bleib ich ganz und wachse daran. An all den Lebensgeschichten, Schicksalen, Schmerz, Liebe.

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