Die Raumakten

Die Raumakten Die Raumakten. Wahre Fälle. Echtes Wissen zu Räumen, Feng Shui und Raumplanung. Klar, verständlich und ohne Esoterik.

„Als Malermeisterin und Feng-Shui-Expertin habe ich meine Leidenschaft für Farben und Handwerk schon früh entdeckt. Es war mir immer wichtig, Räume nicht nur ästhetisch, sondern auch energetisch in Einklang zu bringen. Als ich merkte, dass es kein adäquates Hilfsmittel in Form einer Farbkarte gab, das die Prinzipien des Feng Shui berücksichtigt, entschloss ich mich, selbst aktiv zu werden. 2016 ha

be ich die apprico® COLOURS entwickelt – eine einzigartige Farbpalette, die es jedem ermöglicht, die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser in Balance zu bringen. Meine Arbeit vereint traditionelle Handwerkstechniken mit den Prinzipien der asiatischen Harmonielehre. So entstehen individuelle, harmonische Lebensräume, die weit über das Oberflächliche hinausgehen. Ich bin überzeugt, dass Farbe eines der mächtigsten Gestaltungsmittel ist, um Wohlbefinden und Harmonie zu fördern – und das möchte ich auch anderen zugänglich machen, unabhängig von ihrer Feng-Shui-Erfahrung.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINMara Stein |  Maler- und LackierermeisterinAnna kennt Mara schon seit vielen Jahren. Mara ist ...
04/09/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Mara Stein | Maler- und Lackierermeisterin

Anna kennt Mara schon seit vielen Jahren. Mara ist Maler- und Lackierermeisterin und führt einen eigenen Betrieb mit 15 Mitarbeitern. Beide kommen aus dem Handwerk, beide kennen Baustellen, Untergründe, Farben und all die kleinen Dinge, an denen eine gute Idee in der Praxis scheitern kann.

Vielleicht verstehen sie sich gerade deshalb so gut. Anna muss Mara nicht lange erklären, warum ihr ein Farbton, ein Anschluss oder eine saubere Ausführung wichtig ist. Und Mara sagt genauso klar, wenn sie bei einer Umsetzung etwas anders machen würde.

Sie arbeiten nicht nach dem Prinzip: Anna denkt sich etwas aus und Mara setzt es einfach um. Viel öfter ist es ein fachlicher Austausch auf Augenhöhe. Anna bringt ihre Raumplanung und das Feng Shui mit hinein, Mara ihre Erfahrung aus dem eigenen Malerbetrieb. Und beide haben genug Handwerk im Blut, um ziemlich schnell zu merken, wenn etwas in der Praxis nicht funktioniert.

Mara arbeitet gern mit den apprico COLOURS® und kennt die Farbtöne aus vielen Projekten. Auch bei Timos neuem Schlafzimmer war sie mit ihrem Team dabei. Der helle Erdton war Teil von Annas Planung und wurde von Mara umgesetzt.

Genau solche Menschen braucht Anna in ihrem Netzwerk. Nicht zum Abnicken, sondern zum Mitdenken, Nachfragen und guten Umsetzen.

02/09/2026
Raumakte Nr. 5 DER 30-JÄHRIGE IM KINDERZIMMERAls Timos Mutter Anna anrief, begann sie das Gespräch mit einem Satz, den A...
31/08/2026

Raumakte Nr. 5

DER 30-JÄHRIGE IM KINDERZIMMER

Als Timos Mutter Anna anrief, begann sie das Gespräch mit einem Satz, den Anna in ähnlicher Form schon öfter gehört hatte. „Eigentlich haben wir gar kein richtiges Problem.“ Ihr Sohn Timo sei dreißig, berufstätig und nach der Trennung von seiner Freundin wieder bei ihnen eingezogen. Nur für ein paar Monate, bis er eine neue Wohnung gefunden hätte. Das war inzwischen drei Jahre her.

Streit gab es deshalb nicht. Im Gegenteil. Timo verstand sich gut mit seinen Eltern, arbeitete als Mediengestalter überwiegend im Homeoffice, hatte Freunde und verdiente sein eigenes Geld. Trotzdem hatte seine Mutter zunehmend das Gefühl, dass sich seit seiner Rückkehr nichts mehr bewegte.

„Er sagt immer, dass er natürlich wieder ausziehen will. Aber er sucht keine Wohnung. Seine Freunde trifft er nur außerhalb und eine Frau bringt er schon gar nicht mit nach Hause. Manchmal denke ich, wir machen es ihm einfach zu bequem.“

Anna stellte nur eine Frage. „Weiß Timo, dass Sie mich anrufen?“ Das wusste er. Begeistert war er von einer Feng-Shui-Beratung für sein altes Kinderzimmer nicht, aber er hatte zugestimmt.

Als Anna einige Tage später vor dem Einfamilienhaus stand, öffnete ihr Timos Mutter. Hinter ihr kam ein Mann aus der Küche und stellte sich als Peter vor. „Ich bin der Vater und vermutlich derjenige, der Ihnen gleich sagt, dass meine Frau sich zu viele Gedanken macht.“ Seine Frau sah ihn an. „Ach, wirklich?“ Peter grinste. „Ich habe nicht gesagt, dass Du Unrecht hast.“

Wenig später kam Timo die Treppe herunter. Dreißig, Jeans, helles T-Shirt, Brille und Lederjacke. Ein völlig normaler junger Mann, bei dem niemand auf den ersten Blick vermutet hätte, warum seine Mutter Anna gerufen hatte.

„Sie sind also Anna.“ „Und Sie sind Timo.“ „Meine Mutter glaubt, dass mein Zimmer schuld daran ist, dass ich noch hier wohne.“

„Das glaube ich nicht.“

Er sah sie überrascht an. „Dann sind wir ja schon zu zweit.“

„Ein Raum ist selten schuld. Aber er kann einen Zustand ziemlich lange unterstützen.“ Timo grinste. „Und welchen unterstützt meiner?“ „Zeigen Sie ihn mir.“

Schon vor der Tür war klar, welches Zimmer seines war. Sein Name klebte noch daran, darunter ein Aufkleber seines früheren Fußballvereins. Das Zimmer war ungefähr vierzehn Quadratmeter groß und erstaunlich ordentlich.

Ein schmales Bett stand an der Wand, darüber hingen Fußballposter. Im Regal standen Pokale, alte Spiele und ein Klassenfoto. Gegenüber stand ein Kiefernholzschrank. „Den habe ich bekommen, als ich zwölf war“, sagte Timo.

Anna sah sich um. „Und seitdem hat sich hier nicht viel verändert.“ „Der Computer.“ „Ich rede nicht vom Computer.“

Der Arbeitsplatz wirkte wie aus einem anderen Leben in das Zimmer gestellt. Zwei große Bildschirme, Kopfhörer, Festplatten und ein guter Bürostuhl zeigten, dass hier längst kein Schüler mehr saß. „Dann arbeiten, schlafen und leben Sie hier.“ „Im Prinzip schon.“

Anna sah sich noch einmal um. „Und Freunde?“ „Treffe ich draußen oder bei denen.“ „Hier kommt niemand her?“ Er schüttelte den Kopf. Wann zuletzt ein Freund in diesem Zimmer gewesen war, wusste Timo nicht mehr genau. Vor seinem 1. Auszug wahrscheinlich.

„Und wenn Sie eine Frau kennenlernen?“ Timo verzog das Gesicht. „Was soll ich sagen? Komm mit zu mir, aber sei leise auf der Treppe, meine Eltern schlafen schon? Und übrigens, den Schrank habe ich seit der sechsten Klasse?“ „Sie erzählen also nicht gern, dass Sie hier wohnen.“ „Nicht unbedingt beim ersten Treffen.“ „Und beim zweiten?“ Er zuckte mit den Schultern. „Irgendwann muss ich es ja sagen.“

Anna blickte auf den einzigen Stuhl im Zimmer. „Und wenn Sie Besuch hätten, wo sollte der sitzen?“ Timo deutete auf das Bett. „Da.“ Anna nickte. „Hier ist nicht einmal Platz für einen zweiten Menschen.“ Timo setzte sich aufs Bett. „Ich wollte ja auch nie so lange bleiben.“

Nach der Trennung mit 27 war er froh gewesen, wieder nach Hause zu können. Ein paar Monate, dann wollte er sich eine Wohnung suchen. „Es war bequem“, sagte er. „Und irgendwann wurde es mir peinlich. Je länger ich hier war, desto größer wurde der Schritt, wieder auszuziehen.“ In der Tür erschien Peter.

„Er kann hier wohnen, solange er uns braucht. Das war nie die Frage. Aber ich glaube, er braucht uns schon eine ganze Weile nicht mehr.“

Timo sah seinen Vater an. „Das hast Du noch nie gesagt.“ „Du hast nie gefragt.“

Seine Mutter kam dazu. „Wir wollten Dich nach der Trennung nicht unter Druck setzen.“ Anna nickte. „Das war damals auch richtig. Aber die Situation von damals gibt es heute nicht mehr.“

Neben Timos Zimmer lag ein zweiter Raum, der einmal als Gästezimmer gedacht gewesen war. Inzwischen standen dort Koffer, Kartons, Wäscheständer, Bügelbrett und alles, was gerade keinen besseren Platz hatte. Seine Eltern waren ohnehin dabei, auszumisten und das Obergeschoss neu zu ordnen.

„Was würden Sie mit diesem Zimmer machen, wenn es leer wäre?“, fragte Anna seine Mutter. „Ein Nähzimmer“, sagte sie spontan. Timo drehte sich zu ihr. „Du willst ein Nähzimmer?“ „Schon seit Jahren.“ „Warum hast Du das nie gesagt?“ „Du warst doch wieder da.“

Peter sah seinen Sohn an. „Nicht nur Du hast hier drei Jahre lang nichts verändert.“ Diesmal sagte Timo nichts.

Anna blieb einen Moment in der Tür stehen und sah zurück in Timos Kinderzimmer. Eigentlich lag die Lösung direkt vor ihnen.

„Ich würde Ihnen vorübergehend beide Räume geben“, sagte sie.
Drei überraschte Gesichter sahen sie an.

„Aber nicht, damit Sie es sich hier für die nächsten drei Jahre noch gemütlicher machen“, sagte Anna. „Wir richten hier auch nicht zwei neue Zimmer für Sie ein. Wir planen jetzt schon die spätere Nutzung und Sie ziehen für die Übergangszeit ein.“

Timos bisheriges Kinderzimmer sollte später das Gästezimmer seiner Eltern werden. Deshalb wählte Anna die Ausstattung auch nicht speziell für Timo aus. Ein 1,40 Meter breites Boxspringbett, ein neuer Kleiderschrank, Teppich, weiße transparente Gardinen und ein warmer, neutraler Erdton sollten dauerhaft bleiben. Nur das farbige Bild, das Timo liebte und das bisher im Nebenraum zwischengelagert war, machte den Raum für die nächste Zeit zu seinem Schlafzimmer.

Auch das vollgestellte Nebenzimmer wurde von Anfang an als späteres Nähzimmer geplant. Timo nutzte es zunächst als Arbeitszimmer. Deshalb bekam der Schreibtisch für ihn die richtige Position mit Blick zur Tür und geschütztem Rücken, während Arbeitstisch, Beleuchtung, geschlossener Stauraum und glatter Boden bereits so gewählt wurden, dass seine Mutter den Raum später ohne erneuten Umbau übernehmen konnte.

Hinter ihm entstand eine ruhige Fläche für Videokonferenzen, dazu kamen eine gute Arbeitsplatzbeleuchtung und geschlossener Stauraum. Auf einen Teppich verzichtete Anna bewusst. Fäden, Stoffreste und heruntergefallene Nadeln ließen sich auf einem glatten Boden leichter finden und beseitigen.

Der große Arbeitstisch, die Beleuchtung und der Stauraum konnten später genauso für die Näherei genutzt werden. Auch hier empfahl Anna denselben neutralen Erdton. Farbe würde mit Stoffen und Garnen von allein hineinkommen.

„Und was nehme ich dann eigentlich mit, wenn ich ausziehe?“, fragte Timo. „Ihre Kleidung, Ihre persönlichen Sachen und das ganze Computer-Gedöns.“ Er hob eine Augenbraue. „Computer-Gedöns?“ Anna grinste. „Ich darf das.“ Peter lachte. „Endlich sagt es mal jemand.“

„Alles andere bleibt hier und wird weiter genutzt“, sagte Anna. „Wir richten doch nicht zweimal ein.“

Mara Stein, die Malermeisterin aus Annas Netzwerk, übernahm die Malerarbeiten. Als die Räume fertig waren, war vom alten Kinderzimmer kaum noch etwas zu erkennen. Über dem Bett hing jetzt Timos Bild. Es war eigentlich schon das zukünftige Gästezimmer seiner Eltern und trotzdem fühlte es sich für Timo zum ersten Mal wie sein eigenes erwachsenes Schlafzimmer an.

Einige Wochen später meldete sich Timo bei Anna. „Ich muss Ihnen etwas sagen. Ich schlafe in dem neuen Zimmer so gut wie seit Jahren nicht mehr.“ „Das freut mich.“ „Es ist aber nicht nur das Schlafen. Ich fühle mich da wirklich wohl. Irgendwie anders als vorher.“

Anna lächelte. „Das war der Plan.“ „Ja. Und deswegen habe ich jetzt ein Problem.“ „Welches?“ „Ich habe Ihnen offenbar zu gut zugehört.“

Timo hatte inzwischen eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Aussicht. Bevor er etwas unterschrieb oder Möbel kaufte, wollte er Anna dabeihaben. „Ich möchte zuerst wissen, ob die Wohnung überhaupt zu mir passt. Und wenn sie passt, möchte ich, dass Sie mein Schlafzimmer und mein Arbeitszimmer analysieren und optimieren.“

Er grinste. „Beim Schreibtisch weiß ich inzwischen immerhin schon, dass ich nicht wieder mit dem Rücken zur Tür sitzen werde.“

„Sie haben tatsächlich zugehört.“

„Offenbar.“ Timo sah sich in seinem neuen Schlafzimmer um. „Wenn ich schon neu anfange, möchte ich es diesmal richtig machen.“

Im Hintergrund hörte Anna seine Mutter: „Und frag Frau Falk wegen meines Nähzimmers!“

Timo lachte. „Sie hören es. Hier wartet schon die Nächste.“

Bald würde Timo nur seine Kleidung, seine persönlichen Dinge, sein Bild und sein Computer-Gedöns einpacken. Alles andere konnte bleiben und weiter genutzt werden.

Und seine Mutter würde endlich ihr Nähzimmer bekommen.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem
Timo ist nach einer Trennung mit 27 vorübergehend zu seinen Eltern zurückgezogen. Drei Jahre später lebt und arbeitet er noch immer in seinem alten Kinderzimmer. Freunde trifft er nur außerhalb, neue Partnerinnen bringt er nicht mit nach Hause.

Auffällig
Sein 14 m² großes Zimmer hat sich seit seiner Jugend kaum verändert. Kinderzimmer und moderner Arbeitsplatz treffen unmittelbar aufeinander. Schlafen, Arbeiten und Rückzug finden im selben Raum statt, während das Nebenzimmer hauptsächlich als Abstellraum genutzt wird.

Lösung
Timo bekommt vorübergehend beide Räume. Sein Kinderzimmer wird zum erwachsenen Schlafzimmer und späteren Gästezimmer mit 1,40-m-Boxspringbett, neuem Kleiderschrank, Teppich, transparenten Gardinen und einem warmen, neutralen Erdton. Das Nebenzimmer wird sein Arbeitszimmer mit Blick zur Tür, geschütztem Rücken, guter Beleuchtung und Stauraum. Später wird daraus das Nähzimmer seiner Mutter.

Ergebnis
Timo schläft deutlich besser und fühlt sich in seinem neuen Schlafzimmer richtig wohl. Wenige Wochen später hat er eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Aussicht. Bevor er unterschreibt, möchte er von Anna prüfen lassen, ob die Wohnung zu ihm passt und anschließend Schlaf- und Arbeitszimmer analysieren und optimieren lassen. Seine Mutter kann sich schon auf ihr künftiges Nähzimmer freuen.

Raumakte Nr. 5. Morgen.
30/08/2026

Raumakte Nr. 5. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINMartin Brenner | Elektrotechnikermeister Anna kennt Martin von gemeinsamen Baustellen. Er ist ...
28/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Martin Brenner | Elektrotechnikermeister

Anna kennt Martin von gemeinsamen Baustellen. Er ist Elektrotechnikermeister mit eigenem Betrieb und inzwischen jemand, mit dem sie besonders gern zusammenarbeitet.

Was sie an ihm schätzt: Er versteht schnell, was sie mit einer Idee erreichen möchte, und findet dafür eine technisch saubere Lösung. Gerade bei Licht ist das oft entscheidend, weil zwischen einer Vorstellung im Kopf und einer wirklich guten Umsetzung auf der Baustelle doch einiges liegt.

Anna ist immer wieder fasziniert, wie selbstverständlich Martin ihre Ideen aufgreift und in eine funktionierende Lösung übersetzt. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern präzise und passend zum Raum.

Bei Raumakte Nr. 4 war das besonders wichtig. Der neue Behandlungsraum im Untergeschoss brauchte nicht einfach mehr Licht, sondern die richtige Lichtplanung. Tageslicht durch die Kellerfenster, eine ruhige Grundbeleuchtung, gutes Arbeitslicht und gezielt eingesetzte Leuchten, die dem Raum eine angenehme Stimmung geben.

Vor allem aber ging es auch um die Beleuchtung des großen Naturbildes. Denn dieses Bild war nicht bloß Dekoration, sondern ein wichtiger Teil des ganzen Raumkonzepts. Es sollte den fehlenden Blick ins Grüne auffangen, Tiefe in den Raum bringen und genau die Ruhe ausstrahlen, die Claudia für ihre Arbeit braucht. Damit das funktioniert, musste auch das Licht darauf abgestimmt sein.

Genau deshalb ist Martin einer der Menschen, die Anna gern dabeihat, wenn aus einer Planung Realität wird.

Raumakte Nr. 4WENN DAS ZUHAUSE LEISE WERDEN MUSS„Eigentlich müsste ich zufrieden sein“, sagte Claudia am Telefon. „Meine...
24/08/2026

Raumakte Nr. 4

WENN DAS ZUHAUSE LEISE WERDEN MUSS

„Eigentlich müsste ich zufrieden sein“, sagte Claudia am Telefon. „Meine Selbstständigkeit läuft besser, als ich gedacht hätte. Aber bei uns zu Hause stimmt etwas nicht mehr.“

Claudia war Heilpraktikerin und hatte sich vor etwas mehr als einem Jahr selbstständig gemacht. Ihre Patienten behandelte sie im eigenen Haus. Die berufliche Nutzung war geklärt und angemeldet. Daran lag es nicht.

„Was stimmt denn nicht?“, fragte Anna.

„Ich weiß es nicht genau. Ich bin ständig müde und habe das Gefühl, nie richtig Feierabend zu haben. Mein Mann sagt inzwischen auch, dass sich bei uns etwas verändert hat.“

„Seit wann?“

Sie überlegte. „Eigentlich seit ich angefangen habe, zu Hause zu arbeiten.“

Zwei Tage später stand Anna in ihrem Wohnzimmer. Mitten im Raum eine Behandlungsliege, daneben ein Rollwagen mit Tüchern und Arbeitsmaterial. Das Sofa war ein Stück zur Seite gerückt worden. Ein Paravent sorgte dafür, dass Claudia ihren Patienten während der Behandlung etwas Privatsphäre bieten konnte. Durch die großen Fenster ging der Blick direkt in den Garten.

Alles war tadellos aufgeräumt. Kein Spielzeug, keine herumliegenden Jacken, keine Zeitschriften, nicht einmal eine Tasse auf dem Couchtisch. Es sah aus wie ein Wohnzimmer aus dem Katalog. Oder wie bei Menschen, die Besuch von jemandem ganz Wichtigem erwarten und vorher noch schnell alles verschwinden lassen, was nach Alltag aussieht.

Nur war das hier jeden Tag so.

„Die Liege räume ich abends normalerweise weg“, sagte Claudia.
Anna sah sie an. „Na ja. Ich klappe sie zusammen.“ „Und dann?“
Sie zeigte auf die Ecke neben dem Schrank. „Dann steht sie dort. Der Paravent auch.“

Auf dem Esstisch lagen Laptop, Terminkalender und Patientenunterlagen. „Mein Büro“, sagte sie. „Einen Schreibtisch habe ich nicht.“

Am Anfang war das alles praktisch gewesen. Keine zusätzliche Miete, kurze Wege und kaum Investitionen. Inzwischen behandelte Claudia zwei bis drei Patienten am Tag und nahm sich für jeden ungefähr anderthalb Stunden Zeit. Damit war das Wohnzimmer an vielen Tagen über Stunden kein Wohnzimmer mehr.

Die Haustür ging auf. Ein Junge kam herein, vielleicht zwölf, hinter ihm ein zweiter mit einem Rucksack über der Schulter.

„Mama, wir wollten nachher noch …“ Er sah mich, dann die Behandlungsliege. „Hast Du gleich jemanden?“

„Um halb drei.“ Der andere Junge blieb im Flur stehen. „Dann gehen wir zu mir.“ „Ja, besser.“

Die beiden drehten wieder um. Claudia sah ihnen nach.

„Macht er das öfter?“, fragte Anna

„Was?“

„Wieder gehen.“

Claudia antwortete nicht gleich. „Früher waren ständig Kinder hier.“

Auch ihre jüngere Tochter ging inzwischen automatisch nach oben, sobald fremde Schuhe im Flur standen. Während der Behandlungen gab es unten keinen Fernseher, keine Musik und möglichst wenig Geräusche aus der Küche.

„Am Anfang habe ich ihnen immer gesagt, wann jemand kommt“, sagte Claudia. „Damit sie sich darauf einstellen können. Irgendwann musste ich gar nichts mehr sagen.“

„Weil sie es gelernt haben.“

Claudia setzte sich auf die Sofakante. „Das klingt furchtbar.“

„Es funktioniert nur schon viel zu lange.“

Jetzt verstand Anna auch dieses perfekte Wohnzimmer. Es war nicht deshalb so ordentlich, weil hier niemand lebte. Hier durfte nur immer weniger davon zu sehen sein.

Trotzdem verstand Anna, warum Claudia gerade diesen Raum für ihre Arbeit gewählt hatte. Er war hell, großzügig und der Blick in den Garten tat gut. Ihre Patienten kamen mit Beschwerden, Sorgen und persönlichen Geschichten. Claudia hörte zu, behandelte und begleitete. Dafür war ein ruhiger, geschützter Raum wichtig.

Nur war dieser geschützte Raum vorher der ihrer Familie gewesen.

Claudias Mann kam später dazu. Er erzählte, dass er inzwischen auch schon beim Aufschließen der Haustür auf die Schuhe im Flur schaute. „Wenn da welche stehen, weiß ich Bescheid. Dann gehe ich meistens gleich in die Küche oder nach oben.“

„Stört Sie die Praxis?“, fragte Anna ihn. „Nein. Ich wollte sogar, dass Claudia das macht. Ich war derjenige, der gesagt hat, sie soll erst einmal hier anfangen und sich die Miete sparen.“ Er sah ins Wohnzimmer. „Aber inzwischen wohnen wir irgendwie um ihre Arbeit herum.“ Auch der Esstisch gehörte längst teilweise zur Praxis. Termine, Dokumentation und Abrechnung erledigte Claudia dort zwischen Familienalltag und Abendessen.

„Aber eine eigene Praxis irgendwo kann ich mir im Moment nicht leisten“, sagte sie.

„Vielleicht brauchen Sie keine.“

Anna bat die beiden, ihr das ganze Haus zu zeigen. „Auch den Keller?“, fragte Claudia. „Unbedingt.“

Das Untergeschoss war ausgebaut und trocken. Der größere Raum hatte eine gute Höhe, Kellerfenster mit Tageslicht und eine vorhandene Heizung. Ein WC lag direkt daneben. Vom Garten führte eine Außentreppe zu einer separaten Kellertür. Auch vom Wohnbereich aus gelangte man über eine Treppe nach unten, die sich oben mit einer Tür vollständig schließen ließ. Akustisch war das ein großer Vorteil. Wohnbereich und künftige Praxis konnten tatsächlich voneinander getrennt werden.

„Warum sind Sie nicht gleich hierhergegangen?“, fragte Anna.
Claudia sah sich um. „Weil es oben einfach schöner ist.“
Damit hatte sie recht. Die Liege einfach nach unten zu tragen, hätte das Problem nicht gelöst.

„Dann müssen wir hier unten eine Praxis schaffen, in der Sie genauso gerne arbeiten.“

Für die Umsetzung kamen Thomas Seidel und Leonie Hartmann dazu. Thomas prüfte Heizung, Wasser und Sanitär. Ein Waschbecken im Behandlungsraum ließ sich mit kurzen Leitungswegen einbauen, auch das vorhandene WC konnte mit wenig Aufwand angepasst werden.

Leonie sah sich im Raum um. „Wo ziehen sich Ihre Patienten eigentlich um?“ Claudia zeigte nach oben. „Im Wohnzimmer. Deshalb habe ich dort auch den Paravent.“ Damit war der nächste Punkt geklärt.

Im Untergeschoss planten wir neben dem Behandlungsbereich eine kleine Umkleide. Dazu geschlossene Einbauten für Handtücher, Arbeitsmaterialien und alles, was Claudia für ihre Behandlungen brauchte. Außerdem bekam sie endlich einen eigenen Schreibtisch für Termine, Dokumentation und Abrechnung.

„Mir fehlt trotzdem mein Garten“, sagte sie.

Genau deshalb bekam eine der großen Wandflächen ein großformatiges Naturbild mit viel Tiefe. Tageslicht kam durch die Kellerfenster, aber der freie Blick ins Grüne von oben fehlte. Diesen Naturbezug wollte Anna nicht verlieren. Dazu plante sie mehrere Lichtquellen und eine gute Beleuchtung des Behandlungsbereichs.

Streichen wollten Claudia und ihr Mann selbst. Anna legte dafür ein angenehmes, helles Grün fest. Das Element Holz war für Claudia besonders unterstützend, deshalb sollte es im neuen Praxisraum ganz bewusst stärker vertreten sein. Der Farbton und das große Naturmotiv griffen dieses Element auf, während die Einbauten und der Schreibtisch in hellem Holz den Raum ruhig und klar hielten und das Element Erde einbrachten.

Draußen fehlte noch die klare Führung für die Patienten. Bisher parkten sie an der Straße oder vor der Garage und klingelten an der Haustür. Auf dem Grundstück war Platz für einen festen Besucherparkplatz. Von dort führte der Weg durch den Garten direkt zur Außentreppe und zum Praxiseingang. Eine eindeutige Beschilderung zeigte künftig den Weg. Niemand musste mehr durch das Wohnhaus.

Einige Wochen später kam Anna wieder. Schon draußen war klar, wo die Praxis begann: Besucherparkplatz, Beschilderung, Weg zum separaten Eingang.

Unten war aus dem Abstellraum eine kleine Praxis geworden. Tageslicht fiel durch die Kellerfenster, das große Naturbild öffnete den Raum und Leonies Einbauten nahmen Arbeitsmaterialien und Unterlagen auf. Es gab eine kleine Umkleide und Claudia hatte ihren eigenen Schreibtisch.

„Und?“, fragte Anna. „Immer noch das Gefühl, nie Feierabend zu haben?“

Claudia schüttelte den Kopf. „Ich mache meine Unterlagen fertig, schließe hier ab und gehe nach oben. Das ist ein riesiger Unterschied.“

Sie gingen gemeinsam die Treppe hoch. Claudia schloss oben die Tür zum Untergeschoss hinter ihnen. Im Wohnzimmer saßen ihr Sohn und der Junge, der bei Annas erstem Besuch wieder gegangen war. Ihre Rucksäcke lagen auf dem Boden, auf dem Tisch standen zwei Gläser und eine offene Tüte Chips. Die beiden redeten durcheinander und lachten. Durch die geschlossene Tür zum Untergeschoss drang davon nichts nach unten.

Claudia ging an ihnen vorbei in die Küche und machte uns einen Kaffee.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem
Heilpraktikerpraxis im Wohnzimmer. Zwei bis drei Patienten täglich, Büroarbeit am Esstisch und keine klare Trennung zwischen Praxis und Familienleben. Dadurch kommen regelmäßig fremde Themen und Energien mitten in den privaten Rückzugsraum der Familie.

Auffällig
Das Wohnzimmer wirkt perfekt aufgeräumt, aber nicht mehr bewohnt. Patienten kommen mit Beschwerden, Sorgen und sehr persönlichen Themen. Das ist etwas anderes als Freunde oder Besuch, die bewusst zum privaten Leben dazugehören. Diese fremde Energie mischt sich täglich mit der Familienenergie. Gleichzeitig werden die Kinder leiser, bringen kaum noch Freunde mit und der Mann weicht aus.

Lösung
Praxis ins ausgebaute Untergeschoss verlegen. Eigener Zugang, Besucherparkplatz, Beschilderung, Umkleide, Waschbecken, WC, geschlossener Stauraum und eigener Schreibtisch. Ein großformatiges Naturbild bringt den fehlenden Gartenbezug in den Raum. Der helle Grünton und der Naturbezug stärken gezielt das Element Holz, das Claudia besonders unterstützt. Die geschlossene Tür zum Wohnbereich sorgt zusätzlich für die notwendige akustische Trennung.

Ergebnis
Die Patienten bleiben mit ihren Themen und ihrer Energie im Praxisbereich. Claudia kann nach der Arbeit abschließen und wirklich Feierabend machen. Wohnzimmer und Esstisch gehören wieder der Familie und die Familienenergie bekommt ihren geschützten Raum zurück. Es darf wieder das Leben stattfinden, das vorher Stück für Stück verschwunden war.

Raumakte Nr. 4. Morgen.
23/08/2026

Raumakte Nr. 4. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINProfessor Dr. Johannes FalkenbergJohannes kenne ich inzwischen seit ungefähr 15 Jahren. Und ne...
21/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Professor Dr. Johannes Falkenberg

Johannes kenne ich inzwischen seit ungefähr 15 Jahren. Und nein, wir waren uns bei unserer ersten Begegnung nicht sofort einig.

Wir standen damals bei einem Bauprojekt über einem Grundriss und diskutierten über einen Bereich des Hauses, den wir beide problematisch fanden. Nur aus völlig unterschiedlichen Gründen. Johannes argumentierte als Architekt, ich kam aus dem Feng Shui und aus dem Handwerk. Irgendwann merkten wir, dass wir eigentlich über dasselbe Problem sprachen. Nur in zwei verschiedenen Sprachen.

Das war der Anfang.

Professor Dr. Johannes Falkenberg ist heute 68, Architekt und Geomant und einer der Menschen, deren Meinung ich hören möchte, wenn ein Fall ungewöhnlich oder besonders komplex wird.

Nicht, weil ich selbst keine Grundrisse lesen kann. Ganz im Gegenteil. Aber Johannes sieht manches aus einer anderen Perspektive als ich. Er schaut auf die Architektur, die Proportionen, die Wege durch ein Gebäude, auf das Grundstück und seine Umgebung. Ich komme häufig stärker vom Menschen und seiner tatsächlichen Nutzung der Räume.

Und manchmal widersprechen wir uns auch heute noch.

Das ist einer der Gründe, warum ich so gern mit ihm arbeite.

Bei Sabine und ihrem Haus voller Elefanten war Johannes übrigens nicht dabei. Aber ein Haus, bei dem ausgerechnet im Südwesten innen und außen ein großer Bereich fehlt, wäre durchaus etwas, worüber wir uns bei einem Kaffee und einem ausgebreiteten Grundriss länger unterhalten könnten.

Denn ein Grundriss zeigt nicht nur, wo eine Wand steht.
Manchmal zeigt er ziemlich deutlich, was in einem Haus keinen Platz bekommen hat.

Anna Falk

Dirección

Partida Tossalet 136
Denia
03700

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